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Dienstag, 15.09.2026 – Flugreise, Angine de Poitrine, Buchtipps

Mein letzter Artikel über die Wahl in Sachsen-Anhalt war an verschiedenen Stellen in der Welt der Blogs verlinkt und wurde daher auch einige Male gelesen. Ich danke den Verlinkern dafür!

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Maria hat sich für die Herbstferien und zur Feier Ihres ersten arbeitsreichen halben Jahres Selbständigkeit eine Woche Entspannung auf Mallorca gewünscht. Auch wenn ich das menschlich verstehen kann, war ich auf der anderen Seite immer stolz drauf, dass keiner aus unserer Familie seit dem Jahr 2018 ein Flugzeug von innen gesehen hat. So aus Sicht des familiären ökologischen Fußabdrucks habe ich damit ab und zu sogar angegeben. Maria und ich hatten damals die Abmachung, dass wir nicht mehr nur zum „Dudeldei“ Flugzeug fliegen … und eine Woche „All In“ auf Malle gehörte für mich definitiv zu diesem „Dudeldei“. Doch wir sind auch schon seit 2018 nicht mehr Flugzeug geflogen und so muss man sich das ja auch mal schön reden, also fliegen wir Ende Oktober für eine Woche nach Malle. Sie mag die Insel und der Rest der Familie war noch nie dort. Ich habe mir Tourismus vorgenommen.

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Was mich in dem Zusammenhang auch ärgert ist, dass ich wegen der Malle-Reise nicht „Angine de Poitrine“ in Berlin werde live sehen können. Da hatte ich mich wirklich sehr drauf gefreut … genau wie auf die gemeinsame Brüder-Experience, von denen es aufgrund der räumlichen Trennung eh schon viel zu wenige gibt. Mein Bruder wird nun mit seiner neuen, wohl vielversprechenden, Bekanntschaft nach Berlin reisen. So erfüllt die Karte wenigstens (und hoffentlich) noch einen guten Zweck.

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Ich habe inzwischen Monchis „Jenseits der Brandmauer“ gelesen und halte es für ein gutes Zeitzeugnis mit vielen Gedanken, die ich sehr gut nachvollziehen kann oder selbst schon hatte. Ich möchte es daher empfehlen, zum Beispiel für ein besseres Verständnis des provinziellen (Ost-)Deutschlands. Andererseits funktionieren einige Gedanken von Monchi auch nur bis zur nächsten Ecke. Um die Ecke rumgedacht, haben sie schon wieder einen faden Beigeschmack.

Ich lese nun „Der Rückfall“ von Philipp Ruch. Der kommt mir in Interviews immer leicht suspekt rüber, aber immerhin hat er einen klaren politischen Kompass und eine ebenso klare Agenta. Sein Buch ist, auf den ersten Seiten, ein hochinteressanter Einblick in die Zeit einer Wahl, die für eine rechtsextreme sektenhafte Splitterpartei extrem gut läuft … und damit ein Land verändert. Es liest sich wohl am Besten als Warnung davor, dass Geschichte dazu neigt, sich hin und wieder zu reimen. Ein echtes Fazit kann es hierzu aber erst nach dem vollständigen Lesen geben.

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Mittwoch, 09.September 2026 – Nach der Wahl

Tag drei nach der Wahl. Ich werde wohl weiter Tagebuch schreiben müssen. Das trifft mich hart.

Ich verstehe meine Heimat nicht mehr und ich finde sie gerade mal wieder maximal unsympathisch, obwohl ich selbst in meiner Freizeit von sympathischen Menschen umgeben bin. Mich mit diesen umgeben habe. So muss man es wohl sagen. Ich war am Sonntag Wahlhelfer in meinem Dorf. In dem Dorf also, in dem viele dieser Leute wohnen. Ich saß da einen halben Tag lang. Es kamen ganz normal Leute rein. Einen großen Teil kennt man persönlich. Klar, vermutet man bei dem ein oder anderen, dass er AfD wählt. Mit manch einem hatte man sogar schon auf irgendeiner Feier Diskussionen geführt. Fruchtlose Diskussionen selbstverständlich, denn wenn auf jedes Gegenargument mit Dingen wie „das stimmt doch nicht“ oder „das hast du doch aus den Mainstreammedien“ oder „ich schick dir mal einen Link, da kannst du dir das mal angucken“ oder „das ist mir alles egal, jetzt sind die mal dran“ reagiert wird, kommt man nicht weiter. Aber ansonsten waren das alles Leute wie du und ich. Da kamen keinesfalls 50% Assis zur Tür rein. Dennoch stand nach der Auszählung fest, das 55% meiner Nachbarn, die vor Ort wählen waren, mit Zweitstimme AfD gewählt haben (Briefwahl weiß ich nicht). Das muss man erstmal schlucken. Ich hatte zum ersten Mal seit Jahrzehnten keine Lust, Wahlberichterstattung zu schauen, als ich nach Hause kam.

Der Verein, in dem ich seit Jahren im Vorstand aktiv bin, hatte an den zwei Tagen vor der Wahl wieder ein grundsolide abgefeiertes Dorffest hingelegt. Mit Sommerkino, Sportturnieren und einer gut besuchten Rocknacht. Bevor ich zu meiner Nachmittagsschicht ins Wahllokal gegangen bin, hatte ich mitgeholfen, dass ganze Ding wieder wegzuräumen. Man fragt sich also, was den Leuten hier fehlt. In der Regel hat man hier ein eigenes Haus mit genügend Essen drin, ein Auto vor der Tür und eine funktionierende Dorfgemeinschaft. Rational ist das alles nicht mehr zu greifen. Die Leute hier müssen endlich verstehen, dass Gefühle objektive Fakten nicht ersetzen können und das man überhaupt für seine Gefühle selbst verantwortlich ist. Das man ab und zu auch mal gucken muss, ob es dort überhaupt schön ist, wo die herkommen… und wie begründet die überhaupt sind.

In einer ersten Reaktion hatte ich vor, alles hinzuschmeißen. Alle meine Ehrenämter im Dorf aufzugeben und es mir mit meiner Familie stattdessen selbst schön zu machen. Am Montag nach der Wahl sage ich das dann auch den anderen Leuten im Vorstand. „Zu den Vorstandswahlen im Oktober trete ich nicht wieder an.“. „Ob ich denn eine Macke hätte!?“, fragen sie mich in der direkten Art, für die die Region und wohl auch der Osten insgesamt bekannt sind und „das ich keinen Scheiß machen soll“. Sie versichern mir, dass sie das Ergebnis genauso ankotzt, aber das es doch auch nichts besser macht, wenn man jetzt nicht weiter macht. Ich sehe das zum Teil ein, aber mir ist auch nach Konsequenzen. Reaktionen wird es hier aus dem Verein heraus nicht geben. Wir sind kein politisch aktiver Verein und genau deswegen funktioniert er auch schon so lange so gut. Die Diskussion wird deswegen auch nicht besonders tief und ist schnell wieder vorbei. Auf dem Dorf diskutiert man nicht über Politik. Hier ist man einer, der macht und mitmacht. Nur so ist man wirklich Teil des Dorfes. Nur so funktioniert so eine überschaubare Gemeinschaft, wie sie ein Dorf nun mal ist. Wenn einen irgenwann jeder kennt, weil man sich einbringt. Wenn man weiß, bei wem man sich einen Heizstrahler oder eine Motorsäge leihen kann, wenn man mal eine braucht. Politik ist hier Privatsache. Nur das Tun zählt.

In einer Art Übersprungshandlung habe ich nach der Sitzung des Vorstands einen Mitgliedsantrag bei der Partei gestellt, die ich seit 1998 wähle. Mal sehen, wohin das führt. Mir ist sehr nach Kampf für Demokratie, phasenweise sogar nach Untergrundguerrilla. Meine Heimat hat verfassungstreu zu bleiben und die universellen Menschenrechte zu achten.

Leute, die ich auf den Demos der vergangenen Wochen immer wieder getroffen und deswegen irgendwann angesprochen habe, empfehlen mir, mal Monchis Buch „Jenseits der Brandmauer“ zu lesen. Werde ich demnächst machen. Schon der Teaser reicht mir um zu wissen, dass ich hier jeden Satz aus eigener Erfahrung werde bestätigen können. Totalitäre Systeme und deren Folgen wirken in den Menschen lange nach.

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Mittwoch, 19.August 2026 – Spaltung, Versicherung, Kauforientierung

Ich habe jetzt angefangen, ein Tagebuch zu führen – über die Zeit vor der Wahl in Sachsen-Anhalt. Ich hoffe, ich muss es nach der Wahl nicht weiterschreiben, denn das mache ich nur, wenn die AfD in Regierungsverantwortung kommt (das wäre unerdenklich furchtbar), habe ich mir auferlegt. Just, nachdem ich das Tat, lese ich von einer Tagebuchsammlung von Samuel Beckett. Der war 36/37 ein halbes Jahr in Deutschland und hat dabei offensichtlich genug Material für ein 1.300 Seiten starkes Buch aufgeschrieben. Es sind wohl die einzigen Tagebücher, die er jemals schrieb.

Egal, wie diese Wahl ausgeht, sie wird ziemlich sicher zu weiterer gesellschaftlicher Spaltung führen. Zu noch weißerem Weiß und noch schwärzerem Schwarz. Ich mache da mit, weil ich nicht anders kann. Für den Fall, dass mein Dorf wieder so stark AfD wählt, wie bei der Bundestagswahl, werde ich alle Ehrenämter im Dorf niederlegen. Also werde ich alle Ehrenämter niederlegen. Bis dahin nerve ich das Dorf mit meinen Whatsapp-Status voller AfD-Gegenargumente in den Wahnsinn.

Neulich postete ich ein Bild unserer Schildkröten und schrieb:

Schildkröten gibt es seit rd. 250 Mio. Jahren. Somit entwickelten sie sich noch vor den Dinosauriern. Der Mensch ist seit rd. 12.000 Jahren sesshaft. Seit 250 Jahren ist er Kapitalist.

Nach der Wahl werde ich mehr Freizeit haben und ich schätze, die werde ich dazu nutzen, etwas rückgezogener zu leben. Im Kern bin ich auch ein eher zurückgezogener, introvertierter Mensch, dem es in seinem Kopf (meistens) gefällt. Dennoch habe ich auch schon neue Ideen für externen Zeitvertreib.

Die Lebensgefährtin von dem Umweltingenieur, von dem wir die Schildkröten haben, ist eine ehemalige Kollegin von Maria. Sie ist Psychologin und hat mir nach einem Abend im ländlichen Sachsen ein Buch namens „Ikigai“ empfohlen. Sie kennt mich ein wenig und ist vom Fach, also werde ich es lesen. Daher habe ich mir das jetzt bei Medimops bestellt und den zweiten Teil gleich mit dazu, damit ich beide Bücher versandfrei bekomme.

Zu Beginn des kommenden Jahres werde ich ein weiteres Tattoo bekommen. In Polen. Ich freu mich da schon total drauf, denn die Tätowiererin und ich lieben die Idee.

Mit der Versicherung geht es jetzt in ernsthaftere Verhandlungen. Ich habe ein neues Motorrad gefunden, das mir gefällt und will nun endlich das Geld, es mir kaufen zu können. Der Diebstahl meines alten Motorrades ist über 14 Wochen her.

Soweit die Aussichten…

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Donnerstag, 13.August 2026 – Wahlanfragen, Bumblebee

Auf Arbeit gab es heute unerwartet viel zu tun. Es ging Schlag auf Schlag mit den Besuchen und dem Klären von Dingen. Der Tag war daher länger als geplant, aber auch schnell vorbei.

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Nach der Arbeit war ich mit Hannah beim Zahnarzt. Wir hatten keine Krankenkassenkarte mit, weswegen ich versprach, diese schnell nachzureichen. Ich fragte nach den Öffnungszeiten und die netten Frauen am Empfang stellten fest, dass weder auf den Visitenkarten, noch auf ihren Praxisflyern Öffnungszeiten stehen. Ich vermutete daher, dass die beiden eventuell schon Feierabend hätten, es aber aufgrund fehlender Öffnungszeiten nicht wüssten, woraufhin sie erwiderten, dass sie Tag und Nacht und immer an diesem Ort seien. Dann durften wir zum Zahnarzt. Der hatte nämlich den Kieferorthopäden bezweifelt, der wollte, dass Hannah das Lippenbändchen angepasst wird, damit sie ihre Spange bekommen kann. Auch die Besichtigung von Lippenbändchen und Gaumendings konnte die Uneinigkeit nicht aufheben. Der Zahnarzt wird nun nochmal den Kieferorthopäden anrufen. Wenn ich dann am Montag die Krankenkassenkarte bringe, damit sie glühen kann, hofft man, mir mehr sagen zu können.

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Am Abend waren wir dann noch mit Freunden und Familie beim Sommerkino, einfach weil das so eine schöne Veranstaltung ist. Das wird nämlich von einem Jugendparlament organisiert und ist komplett kostenlos, was auch den sozial schwächer gestellten Leuten der Stadt Kino und Teilhabe ermöglicht. Das findet dann an 5-6 Terminen im Sommer am Fluss in sehr schöner Picknick-Atmosphäre statt. Man kann Kinoversorgung selbst mitbringen, man kann sich aber auch vor Ort was kaufen. Die Veranstaltung ist komplett lokal gesponsert und damit für niemanden ein finanzielles Risiko. Es kam „Bumblebee“

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Dienstag, 11.August 2026 – Basketball, Algen, Kraftsport

Seit einigen Wochen gehe ich ja nun schon wieder zum Basketballtraining… oder dem, was meine selbstironische Freizeitmannschaft so dafür hält. Wir sind alle eher am Ende des Spektrums zwischen 40 und 50, tragen unsere Basketballkleidung aber dennoch betont in Übergröße, kombiniert mit Stirnbändern, Kompressionsärmeln und ähnlichen Accessoires , die man so aus der amerikanischen Profiliga kennt. Dazu spielt eine Bluetoothbox 90er-Jahre Hip-Hop und Rap, bevorzugt von der Westküste. Unsere Leistungen können diesem Setting auf keinem Fall standhalten. Heute waren wir zu viele Leute für die viel zu kleine Halle, in der wir uns Hallenzeit ergattert haben. Einer von uns hatte seinen 9jährigen Sohn mit. Wir spielten 3 gegen 3 und der Sohn wurde zum Schiedsrichter ernannt. Widerworte waren nicht erlaubt und das war sehr lustig. Es gab viele Pfiffe, vor allem Fouls und dadurch sehr viele Freiwürfe. Nach dem Training ging es um die AfD und darüber, wie resigniert und desillusioniert man im Allgemeinen ist. Meine beiden Knie machten währenddessen nach dem Spiel wieder den Eindruck, als hätte man während des Trainings groben Kies hinter die Kniescheiben gekippt. Binse: Man wird nicht jünger.

Während ich also meine Beine sitzend streckte und beugte, fiel mir ein SZ-Artikel ein, den ich neulich gelesen hatte. Da ging es um gesund bleiben im Alter und hier vor allem darum, wie gesund Kraftsport in der Altersgruppe ab 50 ist, also rein zur Gesunderhaltung und als Kampf gegen altersbedingten Muskelschwund und die Vorbeugung von Herz-/Kreislauferkrankungen. Nun denke ich drüber nach, ob ich das mal probiere und ob das meinen Knien überhaupt was nützt.

Schon als ich nach Hause kam, stellte ich aus dem Augenwinkel fest, dass der Pool anscheinend grüner geworden ist. Als ich vom Training kam, sah ich, wie schlimm es wirklich ist. Ich schätze, den Kampf um brauchbares Poolwasser muss ich in diesem Jahr vorzeitig aufgeben. Die Saison scheint beendet zu sein.