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08.Juli 2026 – Gorki, Schmacht & Badetag

Im Urlaub bin ich immer derjenige, der Brötchen holt. Ich bin zeitig wach und gerne alleine in mir fremden, erwachenden Orten unterwegs. Zu einem authentischen Urlaub gehören für mich außerdem authentische Brötchen vom örtlichen Bäcker. Wegen diesem Spleen muss ich in diesem Urlaub aller zwei Tage zwanzig Minuten zum einzigen Bäcker laufen, der nicht zu einer Kette gehört und dann wieder zwanzig Minuten zurück. Bei dem Bäcker treffen sich Einheimische zu Klönsnack und Zeitungslektüre bei einer Tasse Kaffee. Auf dem Tresen liegt eine „Bild“, die er mit den Worten: »De Zeitung packen wi mal fix weg. Dat eenzige, wat do stimmt, is dat Datum.« beiseite packt. Ich bin spät dran, es gibt nur noch Reste, ich trete dennoch mit einem vollen Beutel den Rückweg an. Die Brötchen sind sehr gut, weil eigenständig und authentisch.

Auf dem Rückweg komme ich wieder an der Villa vorbei, vor der eine Figur steht, die mich vor zwei Tagen an Nietzsche erinnert hat. Ist aber nicht Nietzsche, stelle ich heute fest, sondern Maxim Gorki, der sich hier mal zur Erholung aufhielt. Von dem habe ich zuletzt in meiner Kinheit in der DDR gehört, würde ich meinen und das hatte ganz sicher nichts mit dem historischen Gorki zu tun… es war mit den Marxisten im Sozialismus also ähnlich wie bei Jesus im Christentum.
Ich lese daher später in seinem Wikipedia-Eintrag von einer Kindheit wie in einem Fiebertraum, von Auseinandersetzungen mit Lenin und davon, dass Maxim Gorki eigentlich ein Pseudonym ist, dass sich mit „Der Bittere“ übersetzen lässt. Er wurde ein paar Mal nur deshalb nicht vom System verschlungen, weil er in der Bevölkerung so beliebt war und gewichtige Fürsprecher hatte. Ihm ging es um Marx und soziale Gerechtigkeit. Das hat mein Interesse geweckt. Muss ich mehr drüber erfahren. Am Donnerstag hat die Ausstellung in der Villa offen. Fangen wir also dort an.

Mit Beginn des Urlaubs habe ich (einmal mehr) mit Nikotinentzug begonnen. Ich wünschte, ich könnte die ersten drei bis fünf Tage, wo es rein um den körperlichen Entzug geht, als eindringliche Erinnerung für den Moment speichern, wo ich betrunken auf einer Party sage: »Los komm, gib mir mal eine…«. Diese ersten drei bis fünf Tage mit dem ganz üblen Schmacht, der inneren Unruhe und dem nervösen Muskelzucken, nur weil Nikotin aus dem Körper verschwindet und alle Rezeptoren „Nachschub!“ schreien, die sind wirklich übel. Ich hoffe, ich mache das nun wirklich zum letzten Mal. 

Heute scheint die Sonne, was nach dem grau der letzten drei Tage richtig schön ist. Die Temperatur reicht aber noch nicht zum Baden, also machen wir einen Spaziergang. In Bansin bereitet sich alles auf das Seebrückenfest vor. Stände werden aufgebaut, Deko aufgehangen. Ab morgen geht es los. Vom Abendprogramm der vier Tage interessieren mich höchstens zwei Sachen. Das ist nicht nichts und tagsüber werden sich meine Mädels auch mal durch die Verkaufsstände wühlen wollen, nehme ich an.

Hinter Bansin geht es einige Treppen rauf auf eine Steilküste. Dort, im Wald auf der gefährdeten Steilküste ist es sehr schön. Als die Töchter absolut nicht mehr weiterlaufen wollen, balancieren wir dem Stamm eines umgestürzten Baumes hinterher hinunter zum Strand und laufen dort zurück. Erst ist er menschenleer, dann kommt ein FKK-Abschnitt, der meine Töchter irritiert und dann kommt der Hundestrand. Hundestrand kommt meiner Vorstellung von Paradies ziemlich nahe. Alles ist voller Menschen in Eintracht mit ihren sehr glücklich wirkenden Vierbeinern. Das habe ich sehr gerne gesehen. 

Wir gehen durch unser kleines weißes Gartentor und machen eine kleine Mittagsruhe. Anschließend geht es in Badekleidung an den Strand. Das Thermometer ist jetzt leicht über 20°C… das reicht mir für einen ersten Badegang. Es hat sogar Wellen und mit den Töchtern ist es, dass kann man für den gesamten bisherigen Urlaub sagen, sehr harmonisch. Sie haben untereinander und mit uns eine sehr gute Wellenlänge.
Morgen ist Donnerstag.. da geh ich zu Gorki aber nicht zum Bäcker…

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