Das Wochenende war ereignisreich.
Am Donnerstag feierte ich mit Maria Hochzeitstag und da das nicht so gut gelang (unser beider Tage waren gut ausgefüllt), reservierte ich für den Freitag einen Tisch für die ganze Familie in einem Leipziger HotPot-Restaurant.
Hot Pot hatten wir ja schon in Berlin im Winter gemocht, hier gab es aber richtiges HotPot, so mit eigenem Brühekochtopf im Tisch und das ist nochmal viel besser.
Wir hatten uns für einen Vier-Brühen-Topf entschieden. Eine davon sollte scharf sein, war aber in Wirklichkeit sehr sehr scharf. Die durfte ich dann alleine essen. Eine war mit Pilzen die war die leckerste, dann gab es noch was tomatiges und was Knoblauch-Koreander-lastiges (auch lecker). Als Zutaten hatten wir uns so Pakete bestellt, also ein Fleisch/Fisch-, ein Gemüse- und ein Pilzset. Weitere Zutaten und Soßen waren im Preis mit drin und an einer Bar zu holen.
Mit dem Topf in der Mitte auf eigener Feuerstelle (Herdplatte) war das aber nochmal viel schöner, als in Berlin. Das hatte sehr was von Raclette und Fondue. Das war sehr kommunikativ und die ganze Familie erzählte sich was… auch mal, was sie so tiefer beschäftigte derzeit. DIe Töchter waren als Asien-/Manga-/ irgendwas-Nerds und instagraminfluenzte Smartphonekinder sowieso sehr gut gelaunt, weil es Hotpot gab. Da war die Stimmung sehr gut am Tisch. Geschmeckt hat es eh super, auch wenn meine Brühe so scharf (aber geschmackvoll scharf) war, dass mein Bier irgendwann nur noch süß schmeckte.
Nach dem Essen gingen wir mit den Mädels nochmal eine größere Runde durch die Innenstadt und mochten, wie immer, wie schön großstädtisch es hier überall war. Das war mal wieder ein schöner Luftwechsel und Leute angucken ist sowieso ein gemeinsames Hobby von uns allen.

Samstag, ich hatte den ganzen Vormittag im Garten mit der Zähmung von Wildwuchs verbracht, ging es am späteren Nachmittag zu einer Freundin von Maria ins sächsische Niemandsland. Dort war es dann wie in einer anderen Welt. Einem anderen Jahrhundert vielleicht sogar. Die Freundin wohnt mit ihrem Lebensgefährten in einem niedlichen kleinen Fachwerkhaus in absoluter Ruhe. Also die Geräusche, die man selbst als Dörfler normalerweise in so einer Zivilisation hat (mal ein vorbeifahrendes Auto, das Rauschen einer fernen Straße, Töne elektronischer Geräte, gab es dort alle nicht. Nur die reine Natur und jede Menge Lebewesen, die man sonst in der Fülle auch nicht zu sehen bekommt. Libellen, Insekten. Schafe, Katzen, Hund, Kröten usw. Man muss sich das Leben vergangener Jahrhunderte unvollstellbar still uund schön vorstellen (es sei denn, der Schwede oder Napoleon kamen gerade vorbei, natürlich).
Zu den weiteren Gästen kann ich nur ein durchwachsenes Fazit ziehen. Mit steigendem Weinpegel (ich selbst war Fahrer und durfte nicht), lockerte sich die Zunge und so gab es unter dem überwiegenden älteren Publikum einige, die dann anfingen, ihre negativen Vorurteile, Meinungen und Zahlen aus dem Internet unter die Leute zu bringen, die dort auf überraschend unwidersprochenen und fruchtbaren Boden fielen.
Ich setzte zweimal zur Gegenwehr an, doch nach einem strengen Blick von Maria blieb mir dann nur noch, ab und an von Innen auf mein Wangenfleisch zu beißen, um mich abzulenken.
Mit dem Lebensgefährten der Freundin habe ich mich aber ganz gut verstanden. Dessen Job ist es, ein riesiges privates Naturbiotop in der Nähe der sächsischen Schweiz zu betreuen und dessen Entwicklung zu fördern. Die Begeisterung dafür war ihm unbedingt anzumerken. Während wir uns also rege darüber unterhielten, und ich mir dann auch mit Maria Dinge im Garten zeigen ließ, hatten wir irgendwann auf einmal winzig kleine griechische Landschildkröten auf der Hand sitzen. Long Story short: er züchtet auch noch diese vom Aussterben bedrohte Tierart und wir werden drei davon (mit Papieren und allem drum und dran) adoptieren. Wie soll man auch nein sagen, wenn einem so ein kleiner Racker auf die Hand kackt. Wir bzw. unsere Töchter übernehmen jetzt 60-80 Jahre Verantwortung. Das ist schon recht heftig. Aber die Gespräche wurden geführt und ich werde nun ein Außengehege bauen, was noch nicht so wild ist, da die Schildis ja noch sehr klein sind, also wenig Platz brauchen und auch langsam wachsen. Die Pflege an sich und der Aufwand sollen sehr überschaubar sein und ein großes Gehege braucht man erst, wenn die Kröten so 11 Zentimeter im Durchmesser haben. Das dauert aber ein paar Jahre.
Wir waren erst halb zwei wieder zu Hause, doch am Morgen wartete das erfreuliche Kontrastprogramm zu den Gesprächen des Vorabends. Zwei gute Stadträte hatten dazu aufgerufen, unseren kleinen ostdeutschen Marktplatz mit Kreide zu verschönern, bevor hier die Nazis mit ihrem Chef eine ostdeutsche Mopedtour veranstalten. Es ging also darum, den Blaubraunen einen schönen bunten Teppich zu malen, auf dem sie dann ihre Kundgebung abhalten sollten. Da waren wir natürlich als ganze Familie dabei. Wir ließen uns also um sieben wecken, um um 8 auf dem Markt zu sein, wo man nur bis 9:30 Zeit bekam, weil der Marktplatz anschließend den Rechtsextremen zu überlassen war. Als wir ankamen, war das schon ein sehr schönes Bild und es war auch farblich schon einiges auf dem Markt passiert. Familien, Schüler(innen), ältere Damen und Herren und ein paar Autonome machten sich auf dem Markt mit Kreide zu schaffen.
Das gab ein schönes Gefühl, im Osten nicht alleine zu sein mit hirnknotig Verpeilten und ewiggestrigen Boomern, sowie ganz normalen Faschos. Man hatte mal eine Stunde lang das Gefühl, wirklich etwas tun zu können. Natürlich gab es auf Social Media finstere Kommentare für die Aktion und auch den ein oder anderen seltsamen privaten Whatsapp-Chat zu bestreiten, es gab aber auch viel Zuspruch und die Aktion ist gut wahrgenommen worden. Vielleicht motiviert das ja den ein oder anderen, sich das nächste Mal zu beteiligen, denn Demokratie ist schließlich eine Mitmachsache.















