Habe mir in den vergangenen Wochen vorgenommen, zuerst das nichtöffentliche Journal in mein Obsidian zu schreiben, dann daraus einen gefilterten Blogeintrag zu machen. Letzteres klappt nicht so gut, wenn doch dann schon alles irgendwo steht.
Auf unserer Englandreise habe ich in der Onleihe meines PocketBooks die Tagebücher von Manfred Krug gelesen. Die von 1998/1999. Die wurden auch kuratiert, also stark zusammengestrichen und sind über 25 Jahre alt, wie es der Autor wünschte. Aber den Stil fand ich gut. Vielleicht kann ich was von dort hier übernehmen. Manfred Krug las ich deshalb, weil meine Mutter großer Fan (vor allem auch vom Sänger) und mein Vater ihm recht ähnlich war. Beides konnte ich nach dem Lesen der Tagebücher nachvollziehen. Ich wäre aber mit so einem Charakter in meinem Umfeld auf Dauer nicht gut zurecht gekommen, fürchte ich. War schon beim Vater nicht immer leicht.
Apropos England-Urlaub. Der war auch schön. Eine kleine Rundreise durch den Süden war das. Stationen: London, Cheddar, Torquay, Eastbourne.
Anlass der Reise war der Wunsch der Töchter, mal in London gewesen zu sein. Wir fuhren mit Auto und Fähre und Zwischenstopp in Brügge (zum Sterben schön) hin. Den Linksverkehr hatte ich verblüffend schnell intus, dort in London angekommen aber erstmal kein Appartment. Die Buchung des Onlineportals war irgendwie nicht angekommen und es war auch nichts mehr frei. Es folgten drei Telefonate, die insgesamt fast 2,5 Stunden dauerten. Ich mit meiner Mischung aus Schul- und Internetenglisch, die Gegenseite Englisch mit indischem Akzent. Es war ein nicht immer eindeutiges Gespräch. Am Schluss hatte ich eine Frau mit maximal deeskalierender Stimme dran. So eine Kraft aus jedem Zorn nehmende Stimme hatte ich noch nie gehört, war bei mir aber garnicht nötig. Ich wollte nur eine Lösung, die ich nicht selbst bezahlen musste. Die Warteschleifen dauerten zum Teil so lange, dass ich schon vermutete, man spiele das Spiel „mal sehen, wer zuerst auflegt“, doch dem war nicht so. Am Ende hatten wir statt eines Familienappartments ein Familienzimmer in einem Hotel am Hyde-Park mit kontinentalem Frühstück. Das hätte doppelt so viel gekostet wie unser Appartment, aber wir mussten die Differenz nicht bezahlen.
London war für alle in der Familie wie erwartet super. Die Töchter lieben Großstädte, wie sich schon in der Vergangenheit zeigte. Ich auch, ich bin aber froh, wenn ich nach ein paar Tagen wieder ins Ländliche kann, denn ich werde dort immer besonders an das deprimierende Dilemma erinnert, dass überall auf der Welt Menschen leben und den ganzen Tag irgendwas machen (und jeder für sich das auch noch für irgendwie bedeutsam hält).
Am ersten Abend versuchten wir, noch auf den letzten Drücker Karten für Billie Eilish im O2 zu bekommen. Das gelang jedoch leider nicht. Am ersten Tag war Sightseeing angesagt, das wir fast ein wenig übertrieben und unsere Tube-Tickets zum Glühen brachten.
Als das erledigt war, konnten wir uns locker und das machen, was ich so gerne mache. Flair aufsaugen und gucken, wie Land und Leute ticken. Es wurde geshoppt, gebummelt und geguckt. In China-Town aßen wir, ausschließlich von Asiaten umgeben, dass beste asiatische Essen unseres Lebens. Wir waren im Tate-Modern, abends in SOHO, auf dem Camden-Market und im Pub (bzw. nicht, weil die Kinder nicht drinnen sein durften und wir dann noch schnell draußen unser Bier tranken). Mit dabei war immer irgendwie Musik und das ist es dann auch, was für mich die Quintessenz bildet. London hat Groove, ich war nach den drei Tagen aber trotzdem froh, wieder aufs Land zu dürfen. Die Töchter wären gerne noch geblieben.















Als erste Landstation hatten wir uns den kleinen Ort Cheddar in Somerset ausgesucht. Wir waren in einem wirklich liebenswerten B&B untergebracht und wurden dort von Graham gut versorgt und unterhalten.
Das ist das zweite, was mir in England sofort auffiel. Die Menschen sind sehr gesellig, höflich, offen und kontaktfreudig. Sie haben oft total beschissene Tattoos, aber freundlich und das sind sie fast immer.
Das erste, was mir auffiel, war, das in England alles ein bißchen angeranzt ist, also von den Gebäuden und der Infrastruktur ein wenig der Lack ab ist und alles leicht sanierungsstauig wirkt. Das was da ist, wird dann oft noch lieblos behandelt, also nicht unbedingt geschmückt oder so und auf den Landstraßen kommt öfter mal ein richtig fieses Schlagloch, vor dem einen nichts warnt. Das dritte, was mir auffiel, war die hohe Hundedichte, die ich sehr liebte.
In der Gegend um Cheddar und Axbridge war es aber ländlich, fast codsworthig mit Häusern, die zum Teil aus dem 15.Jhd. stammten. Wir besichtigten hier auch Bath, die alte Römerstadt, in der so viel von „Bridgerton“ gedreht wird, aber das wäre vielleicht nicht nötig gewesen, zumal Eintrittspreise in England eine Klasse für sich sind und zwar ausschließlich eine für die der Bourgeoisie.










Schon nach zwei Nächten fuhren wir dann das kurze Stück in den Südwesten und machten in Torquai halt, badeten erstmals, bewegten uns in der Natur und auf den Spuren von Agatha Christie, schauen in Brixham vorbei. Das war sehr schön, aber hier wurde die Sache mit dem aben Lack auch noch offensichtlicher. Ansonsten bleibt mir hier das wunderbar schrullige Hotelpersonal in Erinnerung.







Als unser Urlaub dann schon Bergfest gefeiert hatte, ging es nochmal weiter, in die Nähe von Brighton an die Südküste. Auf der Hinfahrt schauten wir uns das Durdle Door an und dort am Ziel dann die Seven Sisters. Wir aßen an unserem Hochzeitstag schick in Brighton, ansonsten waren diese Tage ausschließlich zur Entspannung und zum Ausklang gedacht.












Dann kam der Tag der Abreise, der damit begann, dass unsere Fähre per SMS zwei Stunden Delay vermeldete, von denen wir einen großen Teil im großen Ferienstau von Dover verbrachten. Die Rückfahrt wurde dadurch zu einem ziemlichen Ritt und wir waren erst Sonntagmorgen um 2 zu Hause.
Natürlich hätte ich das alles viel detaillierter mit täglichen Berichten ins Internet schreiben können, aber sowas kann ich im Urlaub immer schlecht, zumal ich ja noch ein richtiges Tagebuch schreibe.