Alle Artikel in der Kategorie “Journal

Kommentare 2

So., 19.Oktober 2025 – Der zweite Tag in Prag

Der Tag beginnt mit einem wirklich tollen Frühstück im Hotel Merkur. Nach dem Frühstück steht der Umzug in unser richtiges Zimmer an. Der junge Mann, der mir die Mitteilung an den Tisch bringt, an dem ich gerade die gestrigen Memoiren schreibe, dass unser Zimmer nun bereit wäre, verquatscht sich ziemlich fatal. Die Leute hätten schon ausgecheckt und unser Zimmer wäre jetzt gereinigt. Das passt nicht so richtig zu der Geschichte vom kaputten Rohr, sondern eher zu einer Doppelbuchung. In dem Moment, wo er es sagt, friert ihm deswegen auch kurz das Gesicht ein. Das sehr junge Personal ist fortan noch freundlicher, als am Vortag. Es ist nun schon fast unerträglich. Das neue Zimmer ist viel schöner und moderner, andererseits sind die Matratzen der Betten deutlich unbequemer, als in unserem „Notlager“. Ich weiß daher nicht, welches Zimmer ich nun besser fand.

Wir kommen durch die ganzen Umstände recht spät aus unserem Hotel. Das erste Ziel, welches wir ansteuern, ist das „Museum der phantastischen Illusionen“. Man muss die Töchter ja auch ein wenig bei Laune halten, dieses Museum verspricht, dies leisten zu können und hält dieses Versprechen auch. Optische Täuschungen wechseln sich ab mit Bildern, in die man sich einbauen kann und frühen Apparaten, die die Trägheit des menschlichen Auges nutzen. Laterna Magica usw. Da haben wir eine gute Stunde verbracht und viele Fotos geschossen.

Auf dem Weg dorthin fielen mir, wie schon am Vortag, einige Hausfassaden und Inneneinrichtungen von Cafes und Restaurants auf. Ich Google und lerne Dinge über den tschechischen Kubismus, eine lokale Sonderform des Kubismus. Mich erinnerte das sehr an Jugendstil oder Art Nouveau. Ich habe aber auch keine Ahnung, aber auf alle Fälle mag ich diesen Stil sehr.

Wir liefen vom Museum weg zu unserem nächsten Ziel, trafen aber zunächst auf eine „Cinnamood“-Filiale, die es (selbstverständlich) auch hier gibt und die meine Familie (selbstverständlich) nicht unbesucht hinter sich lassen kann. Ich warte, wie so oft, geduldig vor dem Geschäft. Unweit der Cinnamood-Filiale finden wir den rotierenden Kafka-Kopf, ein Kunstwerk von David Černý. Während ich drauf warte, dass der endlich rotiert, ist meine Familie Zimtschnecken.

Der weitere Weg führt uns dann wieder auf die Karslbrücke. Die ist etwas leerer als am Vortag, aber immer noch voll genug. Straßenmusiker sorgen für gute Stimmung, Maria wird von einer Ohrringverkäuferin derart mit Schleim überzogen, dass sie kaum anders kann, als schon wieder Ohrringe zu kaufen, dann können wir endlich weiter.
Unweit der Brücke finden wir zufällig die mit 70cm Breite schmalste Gasse der Welt und nutzen die dortige Ampelregelung um je einmal runter- und wieder hochzulaufen.

Dann kommen wir zu einem Ziel, auf das ich mich besonders gefreut habe. Das Kafka-Museum. Maria bleibt mit den Töchtern freiwillig vor der Tür, um einen kleinen Snack zu essen, was zu trinken und sich in der Sonne von den doch recht langen Laufwegen zu erholen. Ich geh also alleine rein.
Wie wohl jeder gute sensible Jugendliche, der Probleme mit der Zugehörigkeit in dieser Welt hat und seine Umwelt hauptsächlich als absurd erlebt, war auch ich sehr stark an Kafkas Werk interessiert. So richtig verstanden habe ich ihn allerdings erst, als ich nach Schule, Ausbildung und Studium anfing, im Büro zu arbeiten. Das Grundgefühl der Jugend verlässt einen wohl nicht so leicht, sondern wird nur immer wieder bestätigt. Mit dem Alter schafft man es bestenfalls, ein wenig ironischen Abstand und anderweitigen Umgang damit zu entwickeln.
Die Ausstellung im Museum selbst wird Auto und Werk sehr gut gerecht, würde ich sagen. Sie ist allerdings sehr textlastig und mit vielen papiernen Schaustücken versehen. Von daher ist sie Familien mit Kindern nicht wirklich zu empfehlen. Es wird sowohl eingegangen auf das Aufwachsen des kleinen Franz im historischen Prag und im Spannungsfeld seiner Familie, als auch auf die Zerissenheit Kafkas in der Auseinandersetzung mit sich selbst und seinem Werk. Auch sein beschönigend als schwierig zu bezeichnendes Verhältnis zu seinen Frauenbeziehungen wird natürlich thematisiert. Die Schaukästen sind im Kontext der jeweiligen Werke gestaltet und werden von einigen Installationen und Videoschaustücken aufgelockert. Mir hat es gefallen.

Als ich nach Besuch des Museums bei meiner Familie am Tisch eintreffe, bestelle ich mir erstmal ein großes Bier. Der Kellner teilt mir mit, dass ein großes Bier in seinem Lokal ein 0,4 Liter-Bier in Kombination mit einem „Becherovka“ sei und geht, ohne meine Reaktion abzuwarten wieder. Er kommt recht bald mit einem Bier und einem Schnaps wieder, sagt: »Becherovka kaputt!« und stellt mit ein Bier und einen Slivovitz hin. Kafkaes, aber auf eine gute Art.

Nach der langen Ausruhpause entschließen wir uns, über das laute Veto der Töchter hinweg, am Ufer der Moldau entlang mit einem kleinen Umweg zurück zum Hotel zu laufen. Das war schön. Wir trafen seltene und weniger seltene Enten, verrückte Taubenfrauen und schöne ruhige Passagen. Entlang der Mosel gab es in diesem Abschnitt auch viele Restaurant-, Disco- und Barboote, die dort angelegt hatten. Wären wir abends nicht immer so müde, wäre das was für die Abendgestaltung gewesen.

Zurück im Hotel verlieren wir etwas die Zeit. Maria und Lisbeth schlafen ein, wir anderen beiden lesen. So ist es schon nach sieben, als wir uns auf die Suche nach einem Abendessen begeben. Wir gehen etwas abseits der Innenstadt in ein Restaurant für asiatische Fusionsküche und haben damit sehr viel Glück. Sowohl geschmacklich, als auch preislich war das sehr sehr gut gelungen. Alles, was wir bestellten, war total gelungen.

Nach dem Essen liefen wir noch ein gutes Stück durch die Gegend. Das ist auch etwas, dass ich an solchen Kurztrips sehr genieße. Man hängt sehr eng und in einem total anderen, nicht alltäglichen Kontext mit seinen Töchtern zusammen. Dadurch kommt man zu ganz anderen, viel gelösteren Interaktionen und Gesprächen. Das bringt uns sehr viel enger zusammen, als es der Alltag je könnte.
Weil wir uns immer gut bewegt haben, geht dann aber auch immer beizeiten das letzte Licht aus im Familienzimmer.

Kommentare 0

Sa. 18.Oktober 2025 – Der erste Tag in Prag

Wir haben keinen Stress an unserem ersten Urlaubstag. Wir frühstücken in Ruhe und gegen 9 fahren wir los. Nach vier bis fünf Kilometern fahren wir dann nochmal zurück, um einen Schal zu holen, dann fahren wir richtig los.
Die Sonne scheint, wir fahren durch herbstliche Landschaft mit bunten Blättern. An der tschechischen Grenze werden wir daran erinnert, dass es ja immer noch diese unsäglichen, populistischen Grenzkontrollen gibt, denn in der Gegenrichtung ist ein mehrere Kilometer langer Stau zu sehen. Wir werden auf dem Rückweg versuchen, uns Überland nach Deutschland durchzuschlagen. Ich kenne da eine schöne kurvige Strecke durchs Erzgebirge, wo vielleicht nicht so viele lang fahren, die nach Deutschland wollen.

Kurz nach Mittag kommen wir an unserem Hotel an. Zentrumsnah, mit eigenem Parkplatz und Frühstück. Die Rezeptionistin erklärt und mit entschuldigens-sorgenvoller Mine, dass es in unserem Zimmer einen technischen Defekt an der Wasserleitung gibt, der erst morgen behoben sein wird und wir für eine Nacht in einem einfacheren Zimmer untergebracht werden müssen. Als Gegenleistung können wir unseren gesamten Aufenthalt über das Tagesbüfett bis 21 Uhr kostenlos nutzen. Dort gibt es Snacks, Kuchen, Eis und alkoholische und alkoholfreie Getränke. Außerdem erhalten wir eine Prague-Card kostenlos, die uns Ermäßigungen in Museen, touristischen Fahrgeschäften und Restaurants verspricht. Damit können wir gut leben.
Das Zimmer ist dann tatsächlich im Backstage und sehr schlicht und steht voller Betten. Ich zähle sieben Stück auf engstem Raum, die sicherlich sonst eher als Personalunterkunft dienen. Für eine Nacht zum Schlafen geht das schon.

Nach einer kurzen Ausruhpause laufen wir in die Innenstadt, um uns einen Überblick zu verschaffen. Ich war 1996 auf einer Abschlussklassenfahrt das letzte Mal in Prag und habe praktisch keinerlei Erinnerung daran, außer denen, die ich mir aus Fotos und von Erzählungen anderer erschließen konnte. Von hohem Alkoholkonsum und den von Klassenkameraden in die Hotelwand geworfenen zuvor bei zwielichtigen Gestalten gekauften tschechischen Ninjasternen und Wurfmessern ist da die Rede. Es waren andere Zeiten…

Am Karlsplatz, den man in seiner Gesamtheit auch erstmal auf sich wirken lassen muss, hat sich vor dem Rathaus eine riesige Menschenmenge gebildet. Wir stellen uns dazu und starren wie alle anderen auf die astronomische Rathausuhr. Zur vollen Stunde schlägt dann ein Skelett die Glocke, zwei Türen gehen auf, es zeigen sich in diesen die zwölf Apostel, dann gehen die Türen wieder zu. Applaus. Für die Zeit, in der das entstand, schon beeindruckend, aber nun ja…

Weiter gehts zur Karlsbrücke. Die scheint von Weitem aus Menschen gebaut zu sein. Lebendigen Menschen. Auch beeindruckend. Die Sonne ist gerade am untergehen und alle suchen das perfekte Fotomotiv mit Moldau und Altstadt im Hintergrund. Wir laufen einmal rüber, streichen an einer der Figuren, warum auch immer, einem blank geputzem Hund über den Bauch. Dann laufen wir auf der anderen Seite zurück. Die Sonne ist nun schon fast weg, was dazu führt, dass es auch auf der Brücke leere wurde. Auf der anderen Brückenseite stehen die Portraitmaler und Schmuckhändler, was zwangsläufig dazu führt, dass Geld den Besitzer wechselt und Ohrringe in Marias Besitz wandern.

Es ist nach 18 Uhr und wir bekommen Hunger. Immer, wenn ich in Tschechien bin, esse ich traditionell, was für mich heißt: „Gulash mit Knedely und ein Pilsner Urquell vom Faß“. Da muss dann aus dem Vegetarier mit pesketarischen Tendenzen mal kurz ein Flexitarier werden. Es fällt uns aber wirklich nicht leicht, ein geeignetes Restaurant zu finden. Am Ende landen wir in der Restaurantkette „Swejk“, benannt nach dem braven Soldaten und werden dort sehr glücklich.
Anschließend laufen wir durchs nun schon nächtliche Prag zurück ins Hotel, holen uns dort Chips, Salzstangen, Erdnüsse, Bier, Wein und Limo vom Buffet und schauen auf dem Tablet zu, wie der MBC hochkant gegen Ulm aus dem Pokal fliegt.
So endet der erste Tag in Prag.

Kommentare 2

Fr., 17.Oktober 2025 – Elektronische Musik, Laufen plus, eine kleine Städtereise

Das Laufen auf Arbeit und auch das Laufen zurück gefallen mir mittlerweile so gut, dass ich es diese Woche gleich dreimal statt der ursprünglich geplanten zweimal getan habe. Das zügige Lauftempo bringt mich morgens gut in Wallung und Abends gut runter.
Ganz grundsätzlich empfiehlt es sich ja immer, Dinge mit Dingen zu verbinden, die man sowieso tun muss.
In dem Fall: auf Arbeit kommen muss ich sowieso, also kann ich es auch mit sonst nicht stattfindender Bewegung verbinden. Das führt dann an drei Tagen pro Woche zu einem zusätzlichen Kalorienverbrauch von 400-500 Kalorien. Wenn man die Energieaufnahme gleich lässt oder gar etwas reduziert, nimmt man rund ein Kilo pro Woche ab (also ich, also bis jetzt). So könnte es sein, dass im Mai sogar meine allererste Motorradjacke wieder passt und die ist immerhin vollkommen regenfest, was in Schottland sicherlich angebracht sein würde.

Für die Schottlandreise gibt es seit Mittwoch einen Zeitraum, der dadurch festgezurrt wurde, dass wir Hin- und Rückfähre gebucht haben. So haben wir einen Rahmen gesteckt und uns eine Viererkabine zum Preis einer Zweierkabine sichern können. Einige Details wurden bei der Gelegenheit auch gleich besprochen. Ich bin mir immer sicherer, dass das schön wird.

Am Mittwoch im Homeoffice wurde mir bewusst, dass Ferien sind. Es war auch gut feststellbar, denn Lisbeth und Hannah hatten ihre Zwillingsfreunde zu Besuch. Weiterhin anwesend war der Patenhund Bruno und das ergab eine explosive Mischung, da letztgenannter an diesem Tag alterstechnisch und hormonell etwas anstrengend war. Er bellte sinnlos und sehr laut die Kinder an, ob es Grund gab oder nicht. Noch viel unangenehmer war aber, dass er Lisbeth heute „besonders lieb“ hatte und sich immer an ihr reiben wollte. Da half nur Trennung und sowieso stoische Gelassenheit.

Jedenfalls führen diese Ferien nun zu ein paar Tagen Urlaub und die werden wir mit einem langen Wochenende in der osteuropäischen Stadt Prag beginnen. Da war ich zuletzt im Jahr 1996 auf Klassenfahrt und bin nun schon gespannt, was sich in den vergangenen 30 Jahren dort getan hat.

Was mir gerade einfällt und auch noch an den langen Spaziergängen gefällt, ist die Musik, die ich dabei hören kann. Man kommt zu Hause nicht oft dazu, sich einfach mal eine Stunde mit Kopfhörern auf den Ohren in Ruhe hinzusetzen und einfach nur Musik zu hören. Ich hatte schon fast vergessen, wie wunderschön es sein kann, mit guten Kopfhörern, also so richtig in Stereo und mit Raumklang und ausgewogenen Höhen, Mitten und Tiefen Musik zu hören. Das genieße ich sehr und habe dabei gleich so einen elektronische Musikspleen entwickelt, weil dort die Sounds am räumlichsten und beeindruckendsten sind.

Kommentare 0

Mo., 13.Oktober 2025 – Alltag im Herbst

Gestern habe ich meine Tattooidee mal zu Papier gebracht und mit Beispielen und Skizzen untermauert. Man weiß ja nie, wann einem mal (z.B.) auf Instagram der perfekte Tattoo-Künstler über den Weg läuft. Es wird eher was abstraktes, kandinskyartiges und ich bin für Tipps und Empfehlungen offen.
Über das ganze Beschreiben fiel mir ein, dass es mal eine Band namens „Bauhaus“ gab, ich die aber noch nie gehört habe. Das holte ich dann heute Morgen ab 6:30 Uhr nach. Montag und Freitag sind ab sofort die Tage, an denen ich zu Fuß auf Arbeit gehe. Nun weiß ich, wie Bauhaus klingt und ziehe das Fazit: „Passend zum Wetter“.

Was noch…? Ach ja, ich habe am vergangenen Freitag meine erste „180“ beim Dart geworfen. Maria wollte wissen, ob es eigentlich beim Darten was zu beachten gibt und da zeigte ich ihr, wie man stehen sollte, dass man wenig Bewegung im Körper haben sollte und so weiter. Und bei diesem Zeigen warf ich dann drei Mal nacheinander in die Triple-Zwanzig. Das machen Luke Littler, Phil Taylor und wie sie alle heißen im Fernsehen zwar ständig, ist aber gar nicht so selbstverständlich und einfach. Ich hatte es bis zu diesem Augenblick noch nie geschafft und nun denkt Maria wohlmöglich, dass ich bald im Ally Pally spiele. Das dauert aber sicher noch eine Weile…

Lisbeth wollte am Freitagnachmittag ein Bananenbrot backen. Weil da aber Walnusssplitter oben drauf sollten, bekam ich die Aufgabe, am Vortag frisch gesammelte Walnüsse zu knacken und von ihren Kernen zu befreien. Auch das ist schwerer als man denkt und kostete mich einen beeindruckenden Teil meines Lebens, das Bananenbrot war dann aber sehr lecker. Lisbeth erfüllte das Ergebnis mit viel Stolz und so schnitt sie uns drei Nachmittage lang Scheiben vom Brot und brachte sie uns zusammen mit verschiedenen Aufstrichen (Erdnussbutter, Marmelade, Spekulatiuscreme) zum Vesper an den Tisch. Absolute Weiterempfehlung.

Maria wiederum bewegte ein weiteres Wochenende lang Unmengen von Äpfeln und verarbeitete sie zu Apfelmus und Apfelspalten, bis sie allen zu den Ohren raushingen. Dank des hervorragenden Erntejahres 2025 können wir nun der baldigen Zombieapokalypse mit dem säuerlich-süßen Geschmack von hauseigenem Apfelmus begegnen.
Es zeigte sich einmal mehr, dass Maria eindeutig auch einen großen Anteil an Hamster- und Eichhorngenen in sich vereint.

Wenn sie gerade nicht mus-te, gingen wir ohne Kinder spazieren. Da können wir immer am Besten über alles reden, was uns gerade bewegt. Wir redeten darüber, dass schon wieder Mitte Oktober ist und ich mainsplainte ihr einen Artikel, den ich über das Thema Zeitwarnehmung im Alter gelesen hatte. Sie sagte »Aha« und behauptete, meinen neuen Schuhe, die extra robuste Sohlen haben, die man beim Hersteller sogar wechseln lassen kann, wenn sie verschlissen sind, sähen aus wie Clownsschuhe.
Gestern nach dem Spazieren zeigte sie mir ihr Bein, welches nach der Operation inzwischen ein halbseitig komplettes Lila angenommen hatte. Sie sagte, es wäre ihr egal, wenn das Bein so bliebe, Hauptsache, man ist gesund und das man ja nun nicht mehr in dem Alter sei, wo man noch groß Schönheitswettbewerbe zu gewinnen hätte. Ich antwortete ihr, dass ein großer Teil meiner Zukunfts- und Rentenplanung schon davon abhinge, dass sie demnächst als Beinmodell durchstarten kann. (Gelächter)

Am Samstag (heute springe ich ein wenig) hatte ich die letzte Rasenmahd des Jahres vollzogen und anschließend Astschnitt produziert. Während wir den bis ins Folgejahr liegen und trocknen lassen, schmiss mein einziger Nachbar seinen Astschnitt direkt so, wie er ihn vom Baum Schnitt, in ein Feuer. Die Wetterlage war so, dass Rauch nicht gut abzog, sondern im ganzen Viertel hängen blieb. Ich bin mir übrigens auch ziemlich sicher, dass mein Nachbar die AfD wählt.

Ansonsten war die Stimmung die letzten Tage der Jahreszeit entsprechend trüb. Ich habe gar, was ich sonst wirklich nicht oft mache, meiner Meinung zum politischen Tagesgeschehen in Whatsapp-Status‘ Ausdruck verliehen … als würde das was bringen und wäre nicht sehr peinlich. Aber so war das wenigstens mal draußen in der Welt. Immerhin.

Kommentare 0

10.Oktober 2025 – Ideologien, Darttraining

Das EU-Parlament beschließt auf Antrag der EVP, dass Veggie-Burger nicht mehr Veggie-Bürger heißen sollen und vegane Würste nicht mehr vegane Würste, sondern was anderes (Erbsenproteinzylinder?). Merz sagt dazu im Fernsehen: »Eine Wurst, ist eine Wurst. Wurst ist nicht vegan«. Was passiert dann aber mit „Babyöl, Scheuermilch und Hackschnitzel“, wenn Dinge keine vermeindlich irreführenden Bezeichnungen haben sollen? Die Memes sind unterwegs und es gibt Sprachpolizei von der Abteilung, die anderen Abteilungen, die gar keine Sprachpolizei sein wollten, z.B. beim Thema „Gendern“ vorgeworfen hat, eine Sprachpolizei zu sein.
So lebt man wieder schön in seinen Ideologien, als hätte es die Bewegungen „Aufklärung und Humanismus“ als Aufbruch in die Moderne nie gegeben.

Aufklärung

Bewegung gegen Ende des 17. Jahrhunderts. Diese erklärte die Vernunft (Rationalität) des Menschen und ihren richtigen Gebrauch zum Maßstab allen Handelns. Nur das, was mit dem Verstand begründet werden kann, was beweisbar ist, kann als Richtschnur des eigenen Verhaltens dienen. Ziel des Mensches soll es (u.a.) sein, objektive Erkenntnisse über die Welt zu gewinnen und auf Grundlage dieser vernünftig und rational zu handeln.

Humanismus

Bildungsideal der Antike. Alles Denken und Handeln soll im Bewusstsein der Würde des Menschen erfolgen. (Streben nach Menschlichkeit)

Wir streiten aber lieber um Erzählungen, die nur in unserer Fantasie existieren, statt (z.B.) um den Erhalt unserer Lebensgrundlagen zu kämpfen oder uns um eine gerechte Ressourcenverteilung auf der Welt zu kümmern. Wir betreiben lieber Kulturkampf, statt Sachlagen zu regeln oder neue wissenschaftliche Fakten in Zukunft umzumünzen. Mich machen solche Dinge schon mein ganzes Leben lang müde. Wir kommen aus unserer Primatenhaut einfach nicht raus.


Gestern war ich zum ersten Mal seit zwei Wochen wieder beim Darttraining. Ich bin besser geworden, aber für den Ligabetrieb reicht es immer noch nicht. Bleibe weiter dran.


Wäre ich nicht beim Darttraining gewesen, wäre ich mit meinem Bruder bei einem Konzert in Jena gewesen. Eine Band namens „Vintage Caravan“ wollte mein Bruder mir zeigen. Da er aber eine neue Arbeit hat (und beim Einstellungsgespräch falsche Hoffnungen geschürt wurden) hatte er nicht frei und ich alleine keine Lust.