Wir hatten Stadtfest in der kleinen Stadt und da passiert immer viel. Auswertige Menschen nehmen das zum Anlass, die gute alte Heimat mal wieder zu besuchen. Die Stadt und alle anderen nehmen das zum Anlass, mal richtig einen rauszuhauen … im Rahmen der Möglichkeiten.
Am Freitagnachmittag baute ich mit Leuten aus meinem Verein zwei Podeste aus Bühnenteilen zu Bahnhöfen zusammen, um den Eisenbahnfreunden den Betrieb ihrer Mollibahn zu ermöglichen. Eine Mollibahn ist in dem Fall so eine alte DDR-Pioniereisenbahn, die früher schon Mal durch die Stadt fuhr und die nun irgendwie wieder aufgetrieben und zurückgeholt wurde. Schöne Sache eigentlich.
Deren Einstieg war aber einen Meter hoch … zu hoch für die potentielle Kundschaft, auch Rentner und Versehrte, also die Kinder von früher. Denen bauten wir Podeste.
Im Anschluss, am Abend, gingen wir in einer verkleideten Abordnung auf den Mittelaltermarkt. Der Organisator dort schafft es gerne mal, gut bekannte Mittelalterbands auf die kleine Mittelaltermarktbühne zu stellen und zwar so, dass es im Vorfeld niemand mitbekommt. Im Vorjahr ist das mit „Tanzwut“ gut gelungen, in diesem Jahr mit „Corvus Corax“.
Es ist schon schön, so eine Band mal in einem intimen Rahmen, also so mit höchstens 400 anderen Besuchern zu sehen, als sonst mit 10.000 Leuten auf einem Festival oder so. Und sowohl bei Tanzwut, als auch in diesem Jahr merkte man, dass es auch den Musikern viel Spaß machte. Corvus Corax waren sehr sympathisch.
Ich hatte aber Lisbeth dabei und so ließen wir uns halb elf abholen, da wir beide müde waren. Maria hatte Verspätung, da sie noch einen Lampionumzug abwarten musste. Es ist halt mal in der ganzen Stadt was los.

Am Samstag, dem nächsten Morgen, sammelte ich mich mit zwanzig anderen Leuten, um einen Überraschungs-Junggesellenabschied für meinen Freund Steffen zu feiern.
Nun kann man so einen Junggesellenabschied auf dem Dorf mit jedem Recht total doof finden, aber wenn man aller Jubeljahre selbst mal dabei und aktiv mittendrin ist, kann das ein total lustiger Tag sein. So lustig, dass einem abends die Bauchmuskeln schmerzen. Kann man glauben oder nicht. Kann man irgendwie finden oder nicht. Steffen hatte es nicht leicht an dem Tag, trug es aber mit Fassung. Er musste mit einem Bobby-Car einen steilen Hang hinabstürzen, sich die Haare grün färben lassen, den Dorfsaal reinigen, zwei Stunden lang an einem Fußgängerüberweg Geld sammeln, militärischen Drill über sich ergehen lassen, Surströming entschärfen und kosten, Eierlikörzutaten erbetteln, handgepressten Wodka-O herstellen und so weiter. Aufgrund unseres hohen Alters und Familienstandes wird das wohl einer der letzten Junggesellenabschiede gewesen sein, die wir je gemacht haben. Entsprechend ausgiebig haben wir es genossen. Abends, zum Abschluss, schauten wir der guten alten 90er Jahre wegen gemeinsam „Meet the Feebles“. Auf die Buchung einer Stripperin hatten wir bewusst verzichtet. In unserem Alter hat man genug nackte Brüste gesehen, als das man noch dafür bezahlen wollen würde.
Das war ein schöner Tag unter inzwischen jahrzehntelangen Freunden.







Gleich nach dem Hauptfilm ging ich aber nach Hause. Am nächsten Morgen wartete der Stadtfestumzug, an welchem mein Verein in großer Besetzung teilnehmen wollte. Ich hatte Lisbeth und Hannah, sowie Hannahs Cosplayfreundin Mathilda dabei, Maria war erkältungstechnisch immer noch nicht auf der Höhe. Zehn Uhr setzte sich unserer mittelalterliche Truppe in Bewegung, erschreckte Kinder mit Wildschweinfellen, spielte den Kommentatoren Streiche und verbreitete gesanglich gute Laune im Volk. Der Umzug ging rasend schnell vorbei und so kamen wir auch schnell auf dem noch leeren Mittelaltermarkt an, wo wir unser Mittelalterlager direkt vor der Bühne aufschlugen und das gebuchte Programm der Gaukler und Barden immer wieder mit unserer Irish-Folk-Sangestruppe auflockerten, was jeweils sehr gut ankam. Auch diese Nachmittage im Mittelalter liebe ich. Er war erst spät am Abend zu Ende.




Dann kam der Montag, an dem ich mich erstmal wieder in der Zivilisation zurecht finden musste. Gleichzeitig hieß es an diesem Tag, Abschied von meiner Moto Guzzi zu nehmen. In der Nähe von Zwickau hatte sich ein Käufer gefunden, der dieses Motorrad wegen seiner Optik und der geringen Sitzhöhe seinem alten Herren schenken wollte. Dann soll es so sein. Als meine Bessie dann im Kofferraum des Caddys verstaut war, hatte ich schon ein winzig bißchen Wehmut. Man erlebt ja mit so einem Motorrad auch immer einiges im Laufe der Jahre, wie zum Beispiel das nachfolgende Video zeigt. Aber egal, nun kann ich mich vollends auf die neue Bessie, Arbeitstitel „Nelly“ konzentrieren. Wir fangen jetzt an, uns anzufreunden.
Ein erstes großes Highlight wird eine Schottlandreise im kommenden Jahr sein. Bis dahin sollten wir uns in und auswendig kennen. Ich habe also zu tun.

Lieber Junggesellenabschied auf dem Dorf, als dass die Dörfler nach Berlin fahren und dann hier durch die Gegend torkeln..
Denke ich auch…
Die U8 ist voll genug.
Junggesellenabschiede auf dem Dorf haben was…. Auch wenn man mit 40 noch nicht verheiratet ist und Klinken putzen muss… Aber warum verkaufst Du dieses tolle Moped? Ich werde nächstes Jahr 60 und will den A2 machen….
Ich habe jetzt ein neues Motorrad und man kann immer nur eins fahren. Geld rumstehen lassen, wäre der Familie gegenüber unfair und unvernünftig. Die Erinnerungen hat man ja noch.