Aus Gorki wurde heute doch nichts. Seit ich gelesen habe, dass er im Alter seine Ideale aufgegeben hat, um sein Leben als sowjetischer Volksheld zu genießen, habe ich das Interesse verloren.
Am Vormittag bummeln wir heute, wie befürchtet, die Ess- und Klimbimbuden des Seebrückenfestes ab. Ich war kurz davor, mich für ein Handbrot zu entscheiden, als die Verkäuferin von einem Opi „7 Taler“ verlangt hat. Bei dieser Mittelaltergrütze bin ich raus. Stattdessen gab es Langos für ebenso ausgedachte Euros.
Die Strände werden voller vor den Orten. Da wir aber irgendwie zwischen den Orten wohnen, gehts bei uns eigentlich. Dafür fiel mir auf, wie ungerecht die aktuelle hochstehende Ostseesonne zu Menschenleibern ist. Zu ausnahmslos allen. Selbst langbeinige Studentinnen haben in dem Licht keine langen Beine mehr, sondern mit Speck, Gebein und Fleisch vollgestopfte kraterige Pelle. Weder Mann noch Frau kommen in dem Licht ungestraft davon. Nicht das ich in meinem Alter noch viel auf Optik gebe … fiel mir nur auf und fand ich in aller Ungerechtigkeit irgendwie gerecht.
Als wir fertig mit dem Ostseebad und dem Lesen in unserer Popup-Strandmuschel sind, sind die Strandkörbe um uns herum nur noch verlassene Skelette. Einige tragen Luftmatratzen und anderes Strandutensil in ihren Bäuchen. Wir haben keinen solchen Korb, denn wir haben es dank unserem weißen Gartentor nicht weit.
Am Abend schleiche ich mich mit Maria und ohne Kinder nochmal aus dem Haus. Gucken was das Brückenfest so kann. Das hält sich aber in Grenzen. Eine typische Strandbühnenband covert und spielt eigene Lieder. Beides recht lust- und herzlos. Wir trinken ein zwei Getränke und gehen wieder nach Hause.

