Heute war die Verabschiedung meiner Vorgängerin in den Ruhestand. Das lief ab, wie sowas immer abläuft. Man sammelt Geld und Glückwunschunterschriften, dekoriert Tisch und Wände, die scheidende Kollegin bestellt viel zu viel Essen und als die Feierstunde losgeht, hängen Teile der Deko schon auf Halbmast. Der große Chef kommt, überreicht einen Blumenstrauß, eine Karte und ein paar salbungsvolle Worte, weil es in irgendeinem Protokoll steht, die kleine Chefin gibt einen kurzen Abriss über ein komplettes Berufsleben und spricht noch salbungsvollere Worte. Dann wird gegessen, es bleibt zu viel Essen übrig, die Leute verabschieden sich (es waren wohl insgesamt 25) und dann ist ein Berufsleben auf einmal vorbei. Ich stell mir das also Betroffene traurig genug vor. Ich bräuchte dieses traurige, rituelle Vorprogramm nicht noch extra.
Weil ich mit aufgeräumt habe, bin ich später zu Hause, als ich wollte. Die Töchter haben Besuch von den Zwillingen. Ich hatte versprochen, ihnen ein kleines Lagerfeuer zu entzünden. Es sind schließlich ihre letzten Ferientage. Das Versprechen halte ich nun erst später, aber es wurde ein besonders schönes Lagerfeuer.
Die Töchter spielen mit ihrem Besuch ein undurchschaubares Spiel und Maria sagt irgendwann: »Egal was die da gerade spielen, immerhin tun sie es nicht am Tablet«. Als die Sonne anfängt zu sinken, gibt es Hot-Dogs und Käsebrötchen.
Unterhalte mich in der Zeit gut mit Maria und wir gehen erst wieder rein, als es schon dunkel ist.




Wenn man wissen will, wie der Alltag in Russland gerade so ist, muss man mit den Russen reden. Da das aber nicht ganz so einfach ist, freue ich mich immer über entsprechende Blogeinträge von Wladimier Kaminer.
Ich mag die gewitzt-lakonische Berichterstattung und den oft skurrilen Inhalt. Da ich selbst schon in einem autoritären Bruderland Russlands gewohnt habe und stark davon ausgehe, dass Kaminer sehr gute Kontakte nach Russland hat, halte ich aber keine der Geschichten für ausgedacht.
In dieser geht es beispielsweise um russische Urlaubsschwierigkeiten:
https://blog.wladimirkaminer.de/post/790876401374035968/other-peoples-problems-russendisko-news-der?is_related_post=1
…und in dieser um die Reaktion der russischen Bevölkerung auf den Krieg am Beispiel explodierender Erdölraffinerien:
https://blog.wladimirkaminer.de/post/790985206121349120/wie-reagiert-die-russische-bevölkerung-auf-die
Gerade bei Verabschiedungen von älteren Kolleginnen habe ich den Eindruck, dass es ihnen ganz besonders wichtig ist, ein schönes letztes Bild von sich zu hinterlassen. Von daher ist der ganze Aufwand nichts, das schlechtestenfalls von den anderen mitleidig zur Kenntnis genommen wird, sondern ein letztes Momentum kollegialer Selbstwirksamkeit. Oder kurz gesagt: Die machen das praktisch nur für sich selbst.
(Und das soll kein Urteil sein. Noch nicht einmal eine Bewertung.)
Da spielt einiges mit rein, in so eine Veranstaltung. Ich mag Dinge nicht, die nur gemacht werden, weil es ein Protokoll verlangt.
Ernst gemeint verabschiedet wird man (eventuell) von den Kollegen, denen das wichtig ist. Und klar, will man eventuell gut in Erinnerung bleiben, aber das muss man vor dem letzten Mahl schaffen, wenn einem das wichtig ist.