Am vergangenen Freitag trafen wir uns mit den Freunden, mit denen wir im Urlaub waren, zur gemeinsamen Urlaubsauswertung. Diese haben inzwischen noch ganz andere Probleme, als Unzufriedenheit mit der Ferienwohnung. Das war alles nicht schön zu hören und klang danach, als wartet auf die beiden eine harte Zeit.
Samstag verbrachte ich im Baumarkt. Ich hasse es, im Baumarkt etwas einkaufen zu müssen. Es nützte aber nichts, denn es galt, zwei Babyschildkröten eine nette Herberge zu bauen. Also kaufte ich:
- ein Frühbeet
- 40 supergünstige kleine Pflanzsteine
- 50 supergünstige Pflastersteine (beides in anthrazit)
- einen 25-Kilo-Sack Fluss
- 5 Rollen Wühlmausschutz
- einen Zehnerpack Fichtenleisten mit zwei Metern Länge
- Wiesenkräutersaat für Schildkröten
Gemeinsam mit den alten Pflastersteinen, dem Haufen Lehm, dem Brennholz und den kaputten Blumentöpfen, die ich noch zu Hause hatte, baute ich daraus ein kleines Schildkröten-Außengehege. Ich musste natürlich mehrmals fahren und ich musste natürlich mehrmals ansetzen und nachbessern und Dinge optimieren. Ich bin kein besonders engagierter und guter Heimwerker. Selbst am Montag, als die Schildkröten schon eingezogen waren, riss ich einen Teil der Blumenkübelmauer nochmal ein, um den Untergrund noch besser einzuebnen. Es waren 35° und am Ende hatte ich mehrere Liter Flüssigkeit verloren. Es war hinterher kein Zipfel meiner Kleidung mehr trocken, aber die Mauer stand eben, sodass die Abdeckung auch ihren Schutzzweck erfüllen konnte. Am Ende bin ich recht zufrieden mit meinem Werk. Die Abdeckung zeige ich aber lieber trotzdem nicht.

Am Sonntag waren wir dann nochmal im sächsischen Niemandsland und suchten Schildkröten aus. Dann gab es Papierkram zu erledigen, denn die Schildkröten sind amtlich registriert und müssen nun das Amt wechseln. Als wir das alles erledigt und die beiden Schildkröten „Morla“ (die uralte) und „Nori“ in einen Weidenkorb verfrachtet hatten, gab es Kaffee und Kuchen. Anschließend gingen wir auf die andere Straßenseite. Dort verfällt ein altes Fachwerkhaus inmitten wilder Natur auf einem Grundstück von vielleicht 20×20 Metern Länge. Die Töchter bekamen in einer Brennneselwiese hunderte Tagpfauenaugenraupen gezeigt, in einem hohlen Baum wuchs die außerirdisch anmutende Struktur eines Hornissennestes und es hatten sich besonders seltene Pflanzen angesiedelt – einfach nur, weil der Mensch mal 400m² der Natur überlassen hat. Die Töchter waren begeistert über diesen Naturkundeunterricht am lebenden Beispiel. Die neuen Mitbewohner sollten aber nicht ewig im Weidenkorb bleiben müssen, also ging es gen Heimat, also vergaßen wir, dass unsere Autobahnabfahrt gesperrt ist, also standen wir 700 Meter vor der nächsten Abfahrt über eine Stunde im Stau. Stau macht mich grundsätzlich schlecht gelaunt. Gut ging es mir erst wieder, als ich die Schildkröten in ihr neues zu Hause setzen ließ und sie es mutig durchstapften. Schildkröten angucken ist wie ein Blick in die Ewigkeit. Die gibt es seit über 250 Mio Jahren und damit länger, als Dinosaurier. Menschen sind seit gerade 12.000 Jahren sesshaft und betreiben seit 200 Jahren Industrie und Kapitalismus. Denkt man irgendwie auch viel zu wenig drüber nach so als egozentrischer Menschenaffe.



Womit wir bei der Landtagswahl von Sachsen-Anhalt wären. Diese ganze Ruhe macht mich irre. Diese Gleichgültigkeit darüber, dass hier vielleicht bald eine rechtsextreme Partei regiert. Dieser Dienst nach Vorschrift, wie bei jeder der letzten Wahlen, obwohl die Ergebnisse immer schlimmer wurden. Irgendwas muss ich machen… ich weiß nur noch nicht was.