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Mo, 08.September 2025 – Popcorn, Dorffest, Klassenfahrten

Am vergangenen Freitag begann unser jährliches Dorffest. Nachdem der Ortschaftsrat jahrelang viel Geld an einen externen Veranstalter verschenkt hatte und am Ende kein Besucher kam, weil das alles eine Farce war, taten sich vor sechs Jahren die größten Vereine des Dorfes zusammen (darunter auch meiner), um das selbst in die Hand zu nehmen.

Seitdem erhalten wir vom Ortschaftsrat Geld zur Deckung von Fixkosten, seitdem kommen zwischen 1.000 und 1.500 Gäste am Abend. Seitdem läuft es.
Am Vorabend des eigentlichen Festes veranstaltet mein Verein auf der amphitheateresken Freilichtbühne der Grundschule einen Kinoabend. Wir zeigen erst einen Kinderfilm, der der ganzen Familie gefällt, dann einen Film, der uns als Verein und vielleicht auch den verbleibenden Erwachsenen gefällt. Wir leihen uns einen lichtstarken Beamer und eine große Leinwand, stricken, mixen und programmieren Dolby-Surround-Anlagen mit dem richtigen Delay für die jeweiligen Bedingungen, besorgen Sendelizensen, bauen Bierzapfanlagen und Getränkekühler auf, Kochen 10 Liter Nacho-Käsesoße, kaufen viel Zeug und betreiben einen Popcornautomaten.

Letztgenannte Aufgabe war in diesem Jahr meine und die von Lisbeth, weil sie sehr darum gebeten hatte. 500-600 Portionen Popcorn und drei mittelschwere Verbrennungen später weiß ich und wissen wir, was für eine fordernde Aufgabe das sein kann. Lisbeth hat geschaufelt wie ein Weltmeister, ich habe geölt, gepoppt, gezuckert und gebrannt.
Ich hoffe, ich kann Lisbeth dazu überreden, im nächsten Jahr einfach nur Getränke auszuschenken. Immerhin habe ich gelernt, dass man Popcornmais danach unterscheidet, wie er beim Poppen aufpoppt. Unsere Sorte in diesem Jahr hieß „Mushroom Plus“.


Am nächsten Tag hatten wir Marias Omas und Eltern zu Besuch, um Hannahs Geburtstag nachzufeiern.
Die eine Oma hat sich frisch das Handgelenk gebrochen, die andere Oma war ein wenig auf Krawall gebürstet und musste alle wissen lassen, wie komisch ihr das vorkommt, dass wir so oft nicht ans Telefon gehen. Beim vierten oder fünften Anruf am Tag ist das aber nichts ungewöhnliches, sag ich mal. Beide taten mir an dem Tag leid in ihrer Gebrechlichkeit. Beide sind über 90 Jahre alt und ich weiß nicht, ob das ein anzustrebendes Ziel ist. Wir freuen uns aber immer, wenn sie da sind, solange sie noch da sein können.
Es gab Soljanka, es wurde gegrillt, alle wollten schnell nach Hause, also konnten wir nach dem Aufräumen schneller als gedacht zum Dorffest.

Was man dem Dorffest immer anmerkt ist, dass in der ganzen Gegend weit und breit keine Disko gibt. Also tingelt die Jugend, zumal wenn es keinen Eintritt kostet, von Dorffest zu Dorffest, um ihre Gier nach Erlebnis zu befriedigen.
Rückblickend war die Disko für mich ein ziemlich asozialer Ort, um sozial zu werden, aber wenn man keine andere Möglichkeit hat, als Dorffeste abzutingeln, ist das auch eher suboptimal.
Egal. Die Jugend hatte Spaß, die Alten hatten Spaß, die Getränkepreise waren sozialistisch, also stieg der Spaß im Laufe des Abends.
Das die ansich sehr gute, breit aufgestellte Liveband direkt nach „Alex“ von den Toten Hosen und „Schrei nach Liebe“ von den Ärzten ein Lied von den Bösen Onkelz spielt, muss man als lokales Phänomen betrachten … mit etwas Wohlwollen kann man es sogar als Versuch der Verständigung sehen … ich habe mich trotzdem sehr drüber geärgert, denn: was soll denn die Jugend denken?
Alles in allem eine ganz schöne, ganz stereotype Mainstreamveranstaltung. Mein Verein hat die Bar gerockt und hatte seinen ganz eigenen Spaß mit der Veranstaltung.
Der Sonntag ging leider mit Aufräumen und Klarkommen drauf … und mit Koffer packen.


Am heutigen Montag kam ich später auf Arbeit an, denn beide Töchter waren zu ihren Klassenfahrten und an die richtigen Busse zu vermitteln. Hannah fährt in ein Schwimmlager und wird die kommenden vier Tage viel Sport treiben, was nicht in ihrem Interesse ist, wie sie uns die vergangenen Tage mehrfach wissen ließ.

Lisbeth wird, zusammen mit zwei fünften Klassen, in den Thüringer Wald fahren zum Teambuilding dieser Klassen. Als ich beide Koffer an den Treffpunkt gehievt hatte, fiel mir ein, dass wir vergessen hatten, die Impfausweise wie gefordert in einen Briefumschlag, oder überhaupt einzupacken.
Der Klassenlehrerin von Hannah war das mehr oder weniger egal, der Klassenlehrer von Lisbeth ließ die homosexuelle Zicke raushängen und rollte laut und deutlich mit den Augen, bevor er mich belehrte, dass das nicht so optimal sei. Dann kam die Durchsage, dass der Bus Verspätung hätte, also fuhr ich nochmal nach Hause und holte das Ding samt Briefumschlag. Hannah war da schon im Bus unterwegs, Lisbeth freute sich, dass ich ihr diese Schmach erspart habe.
Ungefähr drei Stunden später erhielten wir von beiden Töchtern ein Roomtour-Video durch deren jeweilige Großraumzimmer. Beide hatten es geschafft, mit ihren Freundinnen in einem Zimmer zu landen.
Nun haben wir es sehr ruhig zu Hause. Sehr sehr ruhig und es ist nicht nur schön.

3 Kommentare

  1. So Stadtteilfeste mag ich ja und um so besser, wenn das unmittelbar von den Anrainern organisiert wird. Was hat der Profi denn sonst anders/schlechter gemacht?
    Da ich wahrscheinlich bald in ähnlicher Situation bin: Wie und wo organisiert man sich denn die Rechte für die öffentliche Ausstrahlung eines Films – beim Verleiher?
    Grüße

    • Der Profi hat sich viel Geld vom Ortschaftsrat geben lassen, dafür, dass er überhaupt aufkreuzt und dann nochmal versucht, so viel wie möglich Geld aus der Veranstaltung selbst zu quetschen mit Eintritts- und Getränkepreisen. Außerdem fehlte da total die persönliche Bindung zur Veranstaltung selbst. Das ist jetzt wesentlich besser, denn jeder mitwirkende Verein bringt schon mal von Haus aus seine Angehörigen, Mitglieder und Fans mit. Außerdem geht es nun nicht mehr um Gewinnmaximierung, sondern darum, dass alles Spaß haben und der Ortschaftsrat minimiert das Risiko, indem er die unvermeidbaren Kosten selbst abdeckt.

      Das mit den Filmlizenzen ist tatsächlich das schwierigste überhaupt am ganzen Kino. Es gibt eine unüberschaubare Vielzahl an Filmverleihern in Deutschland und es ist jedes Mal ein schwieriges Unterfangen, denjenigen zu finden, der den Film im Repertoire hat, den du gerade zeigen willst. Mittlerweile denken wir uns im Vorfeld 4-5 Filme aus und den ersten, für den wir eine bezahlbare Lizenz finden, zeigen wir.

      • Danke für die Info. So kompliziert stellt sich mir das nämlich auch dar. Ich dachte schon, Du hast da eine Abkürzung gefunden.

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