Bruno sollte erst am Freitag kommen, kam dann aber am Samstag. Pläne hatten sich geändert. Lisbeth und ich freuten sich trotzdem. Wir sind hier in der Familie die Vertreter der Hunderechte und hatten viel Freude mit Bruno.
Er hat gleich am Anfang in einem unbeobachteten Moment eine Packung Gelierzucker in der Küche verteilt, aber davon abgesehen hat man schon wieder leichte Fortschritte beim Erwachsen werden festgestellt. Er läuft inzwischen super an der Leine, weswegen ich gerne mit ihm lief. Lisbeth fand es auch super, dass er nun nicht mehr zieht.
Am Abend hatten wir unsere Freunde zu Besuch. Sie erzählten von Frankreich, wir von England und direkt nebenan feierten die Nachbarn Einschulung. Das war aus der Ferne eine mies gelaunte Veranstaltung. Bei uns war es schöner und vor allem lag Bruno die ganze Zeit entspannt daneben. Das gab es früher auch noch nicht. Es ist nicht mehr jeder Reiz, der ihn in volle Einsatzbereitschaft versetzt, sondern vielleicht nur noch jeder dritte. Am nächsten Morgen, ich hatte noch leicht Kopf, weckte mich Bruno gegen 7:00, was okay war. Also zog ich mit ihm durchs Dorf. Außer uns beiden gab es noch ein paar Hundefreunde und sonst nur eine Armada an Pflegedienstfahrzeugen. Der Rest schlief noch, wie man hier und da recht eindrucksvoll durch offene und geschlossene Fenster hören konnte. Es mag komisch klingen, aber ich würde auch diese Spaziergänge durchs noch schlafende Dorf genießen, hätte ich einen eigenen Hund.
Der Sonntag gehörte am Vormittag der Vorbereitung des neuen Schuljahres. Es gab Bücher einzuschlagen, einen Wust an Zetteln auszufüllen und Erklärungen zu unterschreiben, Internetdienste zu aktivieren und Angaben zu prüfen. Nun kann auch Kind zwei in die weiterführende Schule starten.
Lisbeth tut so, als wäre sie nicht aufgeregt, aber in Wirklichkeit bebt sie innerlich. Nach 6 Wochen Ferien überhaupt wieder in diesen Modus wechseln ist ja schon immer ein großer Schritt, aber nun auch noch in einer neuen Klasse, in der sie mit sechs anderen Mädchen in der Minderheit sein wird. Das ist schon was komplett Neues.
Bevor Bruno abgeholt wird, gehen Lisbeth und ich noch eine große Abschiedsrunde. Wir unterhalten uns gut dabei und schmieden wieder einmal Pläne, wie wir einen Hund in unsere Familie integriert bekommen könnten. Bruno darf sich im Dorfbach abkühlen, kurz danach wird er abgeholt.
Der Nachmittag gehört dann der Familie. Wir springen in den Pool, den wir zuvor wochenlang nicht so recht nutzen konnten. Wir fanden zwei alte Supersoaker und lieferten uns eine Schlacht. Chillten in der Sonne, die zwar warm war, aber trotzdem irgendwie das beginnende Ende ihrer Kräfte erkennen ließ, was mir wesentlich lieber ist, als zerstörerische, brutale Julisonne. Dieser Sonntagnachmittag hätte, so wie er verlief, als Blaupause für einen schönen Sommertag dienen können. Man sollte sich das Leben ja so einrichten, dass der Alltag möglichst schön ist und ein Urlaub dann nur noch die Kirsche auf der Torte. Dazu gehört, zumindest nach meinem persönlichen Empfinden, auch die permanente Anwesenheit eines Hundes.