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Di., 07.September 2025 – die letzten Tage, eine OP, Laufen

Die Tage gehen ins Land. Es wird trüb und grau draußen. Morgens ist es jetzt schon dunkel. Mein Gedächtnis bekommt die letzten Tage nicht mehr vollständig aufgerufen. Nur so ein paar Fragmente, die ich dann aber auch aufschreibe.

Am Donnerstag hat mein Verein seinen Geburtstag gefeiert. Während wir da in den letzten Jahren immer mal großes Besteck aufgefahren haben, also zum Beispiel eine Band oder so, haben wir uns das in diesem Jahr geschenkt. Wir bauten zwei große Pavillons mit Seitenwänden auf, stellten dort ein paar Bierzeltgarnituren rein und unsere neu aus einer Schenkung übernommenen Profibars. Dort stellten wir eine Zapfanlage drauf und andere Getränke daneben. Wir hatten ein paar warme und kalte Speisen bestellt und es lief Musik aus einer Partybox. Das war ein großartiger Abend. Alle waren ausgesprochen gut gelaunt und entspannt, es gab gute Gespräche und zwei Heizpilze sorgten für ein angenehmes Flair. Mehr muss es manchmal nicht sein. Einzig diese Teufelsmaschine, die Schnaps auf -15Grad runterkühlt, hat den Abend für mich kürzer werden lassen, als er hätte sein müssen.

Das Rauchen hat sich wieder etwas eingeschlichen in den letzten Wochen und will mir weiß machen, ich hätte es im Griff.

Am Abend des Vereinsgeburtstages siegte der MBC in Bonn und zwei Tage später in Vechta nochmal. Das waren beides sehenswerte Spiele. Jetzt ist der MBC mal kurz Tabellenführer. Das ist ziemlich neu.

Vor dem zweiten Spiel fuhr ich in eine Regenpause hinein nochmal Motorrad. Ich hatte verschiedene Halterungen (Handy und ähnliches) angebaut und wollte mal sehen, ob das praktisch ist und ich das so lassen möchte. Möchte ich. Auf dem Weg zu dieser Erkenntnis fand ich einen Wald, in den ich mal mit der Familie gehen will. Sehr idyllisch mit kleinen Bächen und Holzbrücken ist der. Ich freu mich immer, wenn ich einen schönes Stück Wald finde, welches ich noch nicht kenne. Blätter auf nasser Straße mag ich hingegen nicht so. Wenn der Oktober vorbei ist, muss das Motorrad in den Winterschlaf.

Gestern, also am Montag stand dann die lange geplante kleine Gefäß-OP bei Maria an. Die wurde in Leipzig in einer privaten Gefäßchirurgie in der Innenstadt durchgeführt. Mit Lasertechnik, ambulant und weniger invasiv als herkömmliche Behandlungen. Sie hatte schon vor gut einem halben Jahr einen Termin dafür, dann wollte ihre Krankenkasse aber nicht diese, sondern nur die insgesamt wesentlich teurere und schlimmere herkömmliche Operation bezahlen. Also musste erst die Krankenkasse gewechselt und ein neuer Termin gefunden werden. Das dauert alles so seine Zeit. Nun gab ich sie ab. Maria stellte natürlich Fragen an den Arzt:
»Wurden heute schon viele Leute operiert?«
»Ja.«
»… und leben die alle noch?«
{Arzt und Maria lächeln verlegen}

Während der OP hatte ich also Zeit in Leipzig zu vertreiben. Ich mag aber Shopping absolut und ging zunächst auch nur von zwei Wartestunden aus. Also beobachtete ich Leute, während ich absolut ziellos durch die Leipziger Innenstadt laufe.

Großstadtleute sehen anders aus als meine Leute auf dem Dorf, machen aber ansonsten scheinbar auch den ganzen Tag irgendwas.
Dann gehe ich in einen dieser verschlumpterten Asia-Lebensmittelmarkt und will wie immer alles dort kaufen, nur um es mal auszuprobieren, belasse es aber bei ein paar Soßen, ein paar Packungen YumYum-Nudeln für die Töchter (nur die exotischsten Sorten natürlich), zwei Packungen Udon-Nudeln und einem Sushi-Schälchen mit Hunden drauf (vorne sind die Köpfe, hinten die Hundehintern drauf). Die will ich Maria schenken für ihre Tapferkeit und ihr Leid.
Direkt am Markt kaufe ich noch vier von diesen komplett überteuerten, aber eben auch verdammt leckeren Cinnamon-Dingern in einer glitzernden Pappschachtel, dann weiß ich erstmal auch nicht weiter und setze mich eine Weile hin. Als mir auch das langweilig wurde, ging ich in die Höfe am Brühl zum Mediamarkt, spielte an Smartphones rum und testete Kopfhörer. Das war aber auch einfach nur Quatsch, denn ich bin mit meinen Kopfhörern und meinem Smartphone immer noch sehr zufrieden. Als zwei Stunden vorbei waren, lief ich zur Praxis, wurde aber wieder weggeschickt, weil es sicher noch zwei bis zweieinhalb weitere Stunden dauern würde, bis ich Maria mitnehmen könne. Konsterniert holte ich das Ladegerät aus dem Auto im Parkhaus und setzte mich im Einkaufszentrum zu den anderen dort warten Männern in die WLAN-Ecke und las das Internet leer.
Knapp zwei Stunden später konnte ich Maria dann abholen. Da sie sofort wieder voll und viel laufen sollte, liefen wir zu einem von uns gemochten Burgerladen und aßen gut zu Mittag. Danach zum Auto, ich reichlich zeitbrückmüde. Auf der Rückfahrt fing die Wunde an, an zwei Stellen durch den Stoff der Hose zu suppen, aber damit war zu rechnen. Zu Hause verbanden wir das dicker, machten noch einen Spaziergang und werteten die aktuellen Dinge aus. Abends folgte dann noch eine überraschend diskussionssüchtige Vorstandssitzung.

Ich habe fast acht Kilo zugenommen, seit ich meinen neuen Job habe. Entweder hat mein Stoffwechsel seine Produktion inzwischen komplett eingestellt oder mir fehlt dieser schlimme, nervenzersetzende Stress der alten Arbeit als Fatburner. Ist mir aber beides egal, ich laufe jetzt mindestens jeden zweiten Tag auf Arbeit und zurück und fresse wieder weniger. Heute habe ich das erste Mal hinter mir und finde es großartig. Kann ich Kopfhörer aufsetzen und Musik oder Hörbücher hören. Dauert zwar eine Weile, klar. Ist aber alles für einen guten Zweck, denn Abnehmen ist billiger, als neue Motorradkleidung kaufen müssen. Nur mal so als Beispiel.

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25.-30.September 2025 – ein Kirchenaustritt, Erntedank und Diarrhoe

Am Donnerstag ist Maria aus der Kirche ausgetreten. Ein lange überfälliger Schritt, zu dem es aber bislang nicht kam, weil kindliche Indoktrination eben mächtige Spuren hinterlassen. Maria hat keine kirchlichen Eltern, aber eine sehr katholische Großmutter aus dem Schlesischen. Diese ist so katholisch, dass sie direkt nach der Geburt von Maria, die Mutter lag noch im Wochenbett, eigenmächtig zu den DDR-Behörden zog und diese davon überzeugte, dass das Mädchen einen anderen (biblischeren) Vornamen als den von der Mutter vorgesehen bekommen soll. Der Stunk darüber hallt noch bis heute nach, aber nun heißt Maria eben Maria. Auch die katholische Taufe geschah letztlich nur der Großmutter zuliebe und schließlich war das reine kirchlich sein damals auch schon soetwas wie Opposition zum System. Danach besuchte sie als Kind und Jugendliche viele Bibelstunden.

Als sie vor unserer Hochzeit zum Evangelentum konvertierte, war ihr Zweifel zwar schon ziemlich gefestigt, sie wollte aber trotzdem nicht ganz vom Glauben lassen. Immerhin war sie nicht mehr bei den Kinderfickern, die vertuschten, statt aufzuarbeiten. Die unehrlich waren, weltfremd und unchristlich.
Als ich dem damaligen evangelischen Pfarrer ehrlich sagte, dass ich nicht gläubig bin, es Maria aber wichtig ist, kirchlich zu heiraten, ließ sich dieser ziemlich betteln, damit es dann doch noch wenigstens zu einem „Gottesdienst zur Trauung“ kommen konnte. Auch diese Kirche hinterließ also von Anfang an nicht nur ein gutes Gefühl. Maria wollte trotzdem weiter in der Kirche bleiben, denn sie wähnte ihre Kirchensteuer ausschließlich zu karitativen Zwecken verwendet, was sie immer noch wichtig und gut genug fand.
Vor einiger Zeit nun wurde der Kirchenbezirk aufgelöst, zu dem unser Dorf (und 14 weitere) gehörten. Die ziemlich aktive Kinder- und Jugendkirche ist nun ohne Betreuung und kulturell genutzte Kirchengrundstücke werden verwaisen, weil es die Landeskirche vom Schreibtisch aus entschied. Damit fiel auch der letzte persönliche Bezug, den Maria noch zur Kirche hatte. Nun trat sie aus.
Dank der vielen Bibelstunden musste sie die Standesbeamtin aber dennoch mehrfach und nur halb im Spaß fragen, ob sie denn nun in Hölle käme. Die junge Standesbeamtin erwies sich jedoch als schlagfertig und antwortete nach mehreren »Kann ich ihnen wirklich nicht sagen…« schließlich mit »Bislang ist noch keiner von denen, die aus der Kirche ausgetreten sind, jemals wieder bei mir aufgetaucht.«

Am Freitag nahm ich den Kirchenaustritt zum Anlass, mich mal wieder auf dem Friedhof zu zeigen. Es gibt immer noch Zeiten, da kann ich dort längere Zeit nicht hin. Es zeigte sich aber, dass die vor einigen Wochen von mir gepflanzten Herbstblüher aus dem Supermarkt sich prächtig entwickelt hatten. Das Grab sah dadurch ganz gut aus. Ich stellte frische Schnittblumen dazu, zündete eine Kerze an, hielt einige innere Monologe. Es ist eine Sache, nicht an Gott zu glauben und eine andere Sache, die Toten nicht zu ehren.

Für diesen Grabbesuch und weil Hannah ja irgendwie zur Musikschule musste und weil es regnete und weil solche Feste ja eh immer voller Stolperfallen und Fettnäpfchen sind, ließ ich das diesjährige Betriebsfest saußen. Zu der Zeit, wo die mir bekannten Kolleg(inn)en dort aufschlagen wollten, hätte ich eh schon wieder weg gemusst. In Summe war mir das alles sogar recht.
Stattdessen aßen wir abends noch bei Freunden, ich bewunderte das neue Motorrad meines ältesten Freundes und trank ein paar Bier dazu. Das war besser.
Noch vorher brachten wir, erstmals als völlige Heiden, Erntedankgaben für den letzten Gottesdienst unseres scheidenden Pfarrers zur Kirche. Dort ist alles in Auflösung begriffen und nichts funktioniert mehr. Keiner nahm wie versprochen die Gaben entgegen und keiner hatte hierfür die Kirche aufgeschlossen, doch wir kannten das Geheimversteck und schrieben eine Nachricht.

Mein Verein, der letztlich aus der guten Jugendarbeit eines DDR-Hippiepfarrers hervorging, spielt seit zwei Jahrzehnten zum Erntedankfest ein Theaterstück für Kinder. Das ist immer sehr lustig. In diesem Jahr wurde das Theaterstück vollständig von Kindern des Vereins geschrieben und gespielt. Schön zu sehen.
Unter den Erwachsenen des Vereins ist es jedoch seit einiger Zeit usus, vor jeder Vereinsveranstaltung ein (oder zwei) Ouszo zu trinken, damit es eine gelungene Veranstaltung wird. Bier gibt es auf dem Dorf sowieso und gab es auch auf dem Erntedankfest. Es entwickelte sich spontan ein sehr lustiger Nachmittag und es gelang mir gerade so, die eigenen und die nach Hause mitgereisten Kinder zum Abendessen zu füttern, schließlich war Maria schon zum runden Geburtstag einer ehemaligen Kollegin weitergezogen.

Am Sonntag fühlte sich erst Maria blümerant und schob es auf zu viel Partyessen, dann fing auch ich an, mich blümerant zu fühlen, was Marias Theorie entkräftete. Die folgenden 24 Stunden verbrachten wir mit Schüttelfrost, Magen- und anderen Krämpfen aller Art sowie großer Freude darüber, über zwei Bäder zu verfügen. Es ging uns wirklich nicht gut. Magen-Darm. Ist ja auch im Umlauf.
Als sich am Montag auch noch Hannah meldete und wegen Übelkeit aus der Schule abgeholt werden wollte, mussten wir eine Weile darüber diskutieren, wer von uns beiden damit das geringere Risiko einging.
Am Dienstag ging es aber wieder einigermaßen, dachte ich, bis ich mir wagemutig eine Käsescheibe aufs Knäckebrot legte und aß. Mein Magen rebellierte prompt und nachhaltig weiterhin mit Krämpfen. Also bleibt es bei Schonkost.

Immerhin war ich am Dienstag fit genug, mich wieder meinem Darttraining zu widmen.
Fazit: Die Technik wird besser, Zielgenauigkeit und Average steigen. Außerdem bin ich jetzt offenbar jemand, der 40,-€ Dartpfeile zurück zum Händler schickt, weil sie ihm „nicht liegen“, um sich dann für knapp 80,-€ selbst welche im Internet zusammenzustellen, in der Hoffnung, dass ihm diese besser liegen. Ich wünsche mir, dass diese Hoffnung erfüllt wird.


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Mi., 24.September 2025 – Lebensentscheidungen, Pixies-Karten, Dyn, Dart

Der Schlaf von Maria ist dieser Tage stark gestört. Es steht eine berufliche Veränderung als Möglichkeit im Raum und diese Option, deren Inanspruchnahmemöglichkeit noch nicht mal abgemachte Sache ist, lässt ihr Hirn kräftig drauf rum kauen.
Ich stehe ihr mit Rat und Meinung zur Seite. Mehr kann ich nicht tun. Beim Abendbrot will sie von mir die Zusage erzwingen, dass ich jede ihrer Entscheidungen akzeptieren und mittragen werde. »Nicht, wenn ausschließlich Angst der Grund für deine Entscheidung ist«, antworte ich.

Am Vormittag schreibt mir mein Bruder nach längerer Zeit mal wieder. Er hat entdeckt, dass die Pixies im kommenden Jahr anlässlich des 40. Gründungsjubiläums (sic!) eine kleine Europatour machen werden. Einer von drei deutschen Spielorten wird dabei meine geliebte kleine Parkbühne in Leipzig sein. Nun haben wir beide Karten für diese Veranstaltung bestellt. Meine geliebte kleine Band „Pixies“ wird also auf meiner geliebten kleinen Parkbühne spielen. Da hat man doch schon wieder etwas, worauf man sich im kommenden Jahr freuen kann.
Bei der Gelegenheit haben mein Bruder und ich gleich noch geklärt, wie wir mit Dyn und der neuen Bundesligasaison weitermachen. Das teilten wir uns bislang, um deutschen Basketball schauen zu können. Deutschen Handball, Hockey, Volleyball und Tischtennis schauen wir dort hingegen nicht. Wir lamentieren über den Preis, darüber, dass wir kaum zum Schauen der Spiele kommen und denken, dass es doch für Dyn wirtschaftlich besser wäre, wenn sie die Sportarten einzeln verkaufen und dann nur 10-12 € im Monat verlangen würden. Dann würden das viel mehr Menschen nutzen. Am Ende buchen wir die neue Saison trotzdem wieder für 20,-€ im Monat. Finde den Fehler…

Mit neuen Hobbies kommen immer auch neue Interessen. Während ich derzeit jeden Abend eine bis eineinhalb Stunden mit sichtbaren Erfolgen an meinen Dartskills arbeite, beginnt auch mein Interesse an Dartübertragungen in den Medien zu wachsen. Ich habe festgestellt, dass praktisch jede Woche irgendwo all die Stars unterwegs sind, die man sich sonst nur zur Weihnachtszeit während der WM auf Sport 1 angesehen hat. Ich beobachte Bewegungsabläufe, begutachte die verschiedenen Formen, Größen und Stile der Profipfeile und frage mich, wie das wohl so ist, in diesem Wanderzirkus zu leben und sein Geld mit Darts spielen zu verdienen, komme aber zu keinem Ergebnis. Vor einigen Tagen hat in Ungarn der Deutsche Niko Springer die halbe Weltspitze besiegt und ein Turnier gewonnen. Dafür gab es rund 30.000,-€ Preisgeld. Hätte ich nie mitbekommen, hätte ich nicht angefangen, Dart zu spielen. Memo: Auf Pluto.TV und Youtube gibt es regelmäßig kostenlose Live-Übertragungen.

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Di., 23.September 2025 – Schulfleiß, die Cardinale, Bernd das Brot

Wenn mir in den letzten Tagen etwas aufgefallen ist, dann wie sehr sich Lisbeth in der Schule anstrengt.
Wie sie auf einmal zielstrebig und vernünftig jeden Tag was für die Schule macht, als hätte es die Grundschulzeit nie gegeben. Wie sie Ehrgeiz entwickelt. Hannah ist schon immer ergeizig und bei aller Bernd das Brot-haftigkeit, die die Wirren der Pubertät ihr aktuell bescheren, bleibt sie weiter zielstrebig in der Schule und opfert sogar ihr Volleyballtraining den steigenden Anforderungen der siebten Klasse. Ich weiß in beiden Fällen nicht, ob ich das ausnahmslos gut finde…

Apropos Bernd das Brot. Der hatte in der Sendung von John Oliver einen großen Auftritt. John Oliver verwechsele ich immer mit Steve Colbert, also dem, dessen Sendung (mindestens auch) auf Druck des Trump-Regimes enden wird.
Bei Jimmy Kimmel hat das nun nicht (schon wieder) geklappt. Mir zeigt das auch, was für eine Macht jeder Einzelne von uns mit seinen Konsumentscheidungen in unseren westlichen Gesellschaften auszuüben vermag. Vielleicht ist die Konsumentscheidung sogar ähnlich mächtig, wie die eigene Wählerstimme. Falls nicht, dann aber in jedem Fall mächtiger als die Teilnahme an einer Demonstration.

Heute ist „die Cardinale“ gestorben. Als ich mit elf oder zwölf Jahren zum ersten Mal „Spiel mir das Lied vom Tod“ gesehen habe, war sie mein erster veritabler Star-Crush. Das der Drehzeitpunkt dieses Films ungefähr ein Jahrzehnt vor meiner Geburt lag, war mir egal. Hier wurde sie in ihren Zwanzigern auf Zelluloid gebannt und ich war sehr verliebt. Das faible für starke, aber zugleich feminine Gesichter (brünetter Frauen) ist bis heute geblieben.


Die Zeiten, in denen wir Leben, zusammengefasst in einem Screenshot einer KI-Zusammenfassung eines Artikels der „Süddeutschen“:

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Mo., 22.September 2025 – Polterabend im Glaspalast, Ligadart, eine Hochzeit und Tocotronic

Ein Freund von mir hat vor ungefähr fünf oder sechs Jahren eine neue Frau gefunden und die wollte er jetzt heiraten, was in seinem Bekanntenkreis allgemein ausschließlich begrüßt wurde, soweit ich das überblicke.
Der Polterabend am vergangenen Freitag sollte gleichzeitig die abschließende große Feier zu diesem Anlass sein. Weitere Hochzeitsfeierlichkeiten waren nicht geplant. Alle Gäste wurden mit einem Dresscode bzw. Motto konfrontiert. Nun bin ich absolut kein Fan von Verkleidungen, aber mit diesem Motto konnte ich rückblickend sehr gut leben.

Es wurde ein ehemalige Halle eines großen Blumenhandels im Stil der 1920er-Jahre dekoriert und alle sollten entsprechend gekleidet erscheinen. Das funktionierte sehr gut, sah in der Masse super aus und machte, zumindest mir, viel Spaß. Hatte „Babylon Berlin“-Vibes. Es wurden Paar- und Gruppenfotos vor Palmen und einem Oldtimer aus der Zeit geschossen. Da ich mal mit meinem Motorrad beim „Distinguished Gentlemans Ride“ mitgemacht hatte, hatte ich die gewünschte Kleidung schon da. Schiebermütze, Tweetweste, Taschenuhrkette, silberne Fliege. Nur meine Anzugshosen passten nicht mehr. Alle beide. Es waren einige Freunde da, einige Bekannte, viel Familie und viele Fremde. Die Band kannte ich auch und die hatten extra für den Abend ihr Repertoire teilweise auch in Swing-Varianten umgewandelt.
Wie das so ist, gab es einige Programmpunkte und viele Überraschungen durch die anwesenden Gäste. Da viele meiner Freunde sehr kreativ sind, war auch das schön kurzweilig. Ich trank Bier und „White Russian“, zügelte mich aber trotz guter Laune, da am Freitag noch Arbeit wartete. An diesen Polterabend werde ich mich gerne erinnern, da er mich irgendwo auch an die Hochzeit von Maria und mir erinnerte, die in einem ähnlich entspannt-herzlichen Umfeld stattfand und auch sehr sehr schön war.

Am Freitag nach dem Weckerklingeln war ich trotz aller Mäßigungen doch sehr froh, den Tag im Homeoffice verbringen zu können, obgleich die Telefonate an diesem Tag, fast wie zu erwarten, von der besonders nervenzehrenden Sorte waren.
Ich machte zeitig Feierabend, um am Nachmittag das Ausschlafen nachholen zu können. Hinterher war ich dann wieder einigermaßen fit.
Den Abend verbrachte ich im dann Zuschauerbereich der dörflichen Dartanlagen. Ligaspiel der ersten Mannschaft. Das war gleich mal spannender als Ally Pally. Dart ist ja im Grunde ein ewiges Elfmeterschießen, dass hier von unserem und dem benachbartem Dorf mit einer gesunden Mischung aus Anspruch und Spaß betrieben wurde. Nach mehr als drei Stunden Dartsport, fast zwei Dutzend an gespielten Einzeln und Doppeln, die zum Teil auch schon auf Messers Schneide entschieden wurden, kumulierte das alles in einem unbedingt zu verwandelnden Wurf vom jüngsten Teammitglied auf die Doppel-16, der darüber entscheiden sollte, ob unser Dorf gewinnt oder man sich unentschieden voneinander trennt. Nach diesem Dartmarathon, diesem dreistündigen Dauerfokus flirrte die Luft. Unser Karli atmete zweimal stoßartig aus und durch, warf … und traf ganz knapp ins untere linke Eck des Doppel-16-Feldes. Direkt im Anschluss explodierte der Raum.

Dann Samstag. Maria war gebeten worden, Fotos von der Trauung zu machen, da man einfach nur natürliche Fotos haben wollte und keinen gestellten, kitschigen Hochzeitsfotografenkram. Sie hatte zugesagt, war aber sehr aufgeregt. Lisbeth und ich fuhren zur moralischen und eventuellen technischen Unterstützung mit. Außerdem auch zur Koordination der Leute und für das Freihalten eines Parkplatzes für die künftige Braut. Als das alles erledigt war, landeten Lisbeth und ich dann doch noch mit in der Zeremonie, die eigentlich nur für die engste Familie und Trauzeugen vorgesehen war. Maria war schnell in ihrem Fotografenelement, auch wenn ihr bei 30° die Brille beschlug vor lauter Stress und Schweißbildung. Direkt nach der sehr lockeren Trauung mit Musikeinlagen der Patchworkkinder gab es noch einen kleinen Sektempfang im Grünen. Direkt danach flog das frisch vermählte Paar in die Flitterwochen. Passt zu ihnen, also passte das so.

Zuhause blieb noch Zeit für einen Snack und einen Mittagsschlaf, dann wurde der Mädelskinoabend von Hannah vorbereitet und bekocht, dann brachte ich Lisbeth zur Übernachtung zu ihrer Freundin Mia, dann holte ich Maria ab und wir fuhren nach Leipzig. Dort war einiger Stau wegen verschiedener Bautätigkeit und Heimspiel von RB Leipzig, was Zeit kostete. Zum Fußball wollten wir aber nicht, sondern noch einen Happen essen und landeten in einem veganen asiatischen Restaurant unweit des Clara(-Zetkin)-Parks. Das war sehr lecker. Ich aß eine sehr gut gefälschte knusprige Ente in einer sehr leckeren, sehr scharfen asiatischen Soße. Maria aß Ramen. Zusammen teilten wir uns eine Sushi-Platte. Dazu gab es hausgemachte Limonaden. Wenn einen der Kellner aber, trotz vorhandenem Kartenlesegerät, höflich und bestimmt in eine Paypal-Zahlung seiner Rechnung quatscht, weil man kein Bargeld mit hat, könnte das an der fehlenden Bereitschaft liegen, seinen steuerlich Anteil am Gemeinwohl leisten zu wollen. Mag ich nicht, andererseits ist der Leipziger Gastromarkt sicher auch sehr umkämpft.
Dann ging es noch ein Stück durch den Park auf direktem Weg zur Parbühne.
Vor dem Eingang, hinter den zwei Bierwagen hatten schon einige Studentengruppen und Familien ihre Picknickdecken ausgebreitet, um von dort aus der Musik zu lauschen. Wir hatten Karten, seit sie mir Maria zum Geburtstag schenkte und gingen rein.

„Tocotronic“, Hamburger Schule, Diskurs-Rock, dies das. Auf alle Fälle eine Band von meiner Bucketlist der unbedingt noch zu besuchenden Bands. Eine, mit der ich in den späten 90ern und frühen Nullerjahren noch garnicht so viel anfangen konnte, was sich aber mit der Zeit ganz langsam aber beständig wandelte. Daran Schuld waren hauptsächlich die Texte, die Haltung hatten und/oder gut und interpetierbar waren. Das war schön für den Kopf, hymnenhaft und aus heutiger Sicht oft auch zeitlos. Auch die Musik entwickelte sich. Also das musikalische Vermögen und damit der Wiedererkennungswert, die Eigenständigkeit der Band. Das wollte ich dann irgendwann in meinem musikalischen Alltag nicht mehr missen und eben auch mal live sehen.
Heute war es soweit. Nach der Vorband „Frau Lehmann“ aus Leipzig (zuerst originell nöhlig, auf Dauer aber auch zu eintönig leiernd) kamen die Herren auf die Bühne. Wie erwartet mischte man Songs des aktuellen Albums „Golden Years“ mit den größten Hits, während derer der größte Teil des Publikums die eigene Jugend heraufbeschwor und lautstark mitsang. Wobei es gerade diese älteren Hymnen waren, die von Lowtzow heute an stimmliche Grenzen brachten. Immer wenn er laut und aggressiv klingen wollte, klang er eher wie ein knödelnder Frosch. Stark war er aber in den Teilen und Songs, wo er seine ruhige, ganz normale Singstimme auspacken konnte. War auch das Tourende… wer weiß. Als Stoiker und Kantianer mag ich den Song „Pure Vernunft darf niemals siegen“ mit am liebsten. Der kam heute nicht, aber dafür gefühlt jeder andere Hit. Ich hatte einen schönen Abend und habe nun einen weiteren Haken an der Bucketlist. Maria ist noch mehr Fan und hatte daher sogar noch mehr Spaß als ich.


Die gestrige Trauerfeier für Charlie Kirk stank nach Reichskristallnacht und gequirltem Hirn. Extrem gruselig…